Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 130 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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180 lieber die Hamburger Zollordnung spottet er: Bd. 25, S. 97. Keine neue zünftige Sache, kein Brod, kein Fleisch und dergleichen, darf nach Hamburg hineingebracht werden. Es ist fonderbar anzufehen, wie bisweilen ein armer Jude oder ein Arbeitskerl, der einen Packen unter dem Arme trägt, im Thore angesallen wird, uni zu zeigen, was er in feinem Packen hat. In den „Nachrichten eines Engländers über Holstein, Hamburg, Altona" e. 1785 heißt es Bd. 1/, S. 53: Bei Gelegenheit der Erkundigungen, die ich wegen des Leinwands-Handels einzog, glaube ich die Ursachen gesunden zu haben, warum der Handel mit Oftindischen Waaren in Hamburg so unzuverlässig ist. Dieser Handel ist bisher ganz in den Händen der Juden, die mit einzelnen Stücken herumlaufen oder sie bey sich aushökern, und mit denen kein ordentlicher Kaufmann Preis halten kann. Ich will Hiemil den ungegründeten, wie wohl oft gemachten Vorwurf nicht wiederhohlen, daß Juden Christen unterhandeln ldas heißt, wohlfeiler, als diese verkaufen) können^ dieses, was Vielen Tadel scheinet, ist in meinen Augen immer Rhum gewesen. Auch hier liegt die Schuld bey dem christlichen Kaufmanne. Dieser glaubt am sichersten zu gehen, wenn er sich an ein großes Haus in Copenhagen wendet, das im Rufe Kaufmännischer Ehrlichkeit oder gewissen Credits und prompter Bedienung stehet, und hiezu scheinet ihm vielleicht einer der Directeuren der Compagnie der bequemste. Der kann nun freilich alle die guten Eigenschaften haben, die man ihm zutraut, aber gerade die nicht, die in diesem Falle nothwendig ist; ich meine, ein richtiges Auge, die Ostindische Waare zu beurtheilen, und eine Kenntnitz der Artikel, die in Hamburg absetzlich sind. Der Jude dagegen, der Beides kennt, gebraucht sein eigen Auge zuzusehen, wogegen der Direcreur nur auf das Auctionsbuch und höchstens auf die abgeschnittenen Proben sieht ..." Ganz im Sinne Hennings' schreibt am 1. Juni 1781 ein Freund an ihn: ,..76 nr arreterai. Monsieur, ä nne exemple analogue au sujet que je traite. J7ai pris la liberte deVous representer que la contrainte ä la quelle on souinet les Juifs les prive de tous les moyens de devenir bons citoyens, qu’ils sont forces d'eluder la loi par la fraude et que nos Manufactures en souffrent.44 Für die Vertraulichkeit, mit der Hennings bei Mendelssohn verkehrte, spricht eine Bemerkung in einer Art Autobiographie (Bd. II. S. 161 f.) unter dem Titel „Literarische Nachricht vom Verfasser des „Olavides": Während seines Aufenthaltes in Berlin lebte er mit einigen dafigen Gelehrten, vorzüglich aber mit Mendelssohn, dessen geistreicher Umgang und Philosophie des Lebens ihm alles war, was er in denkenden Geistern zu finden verlangte.