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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 129

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
August von Hennings, der Freund Moses Mendelssohns
Date
1908-01-01
Page
129 (sequence 3)
Language
German
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129 Der Jude verlor den Proceß. Der Richter erklärte, der sey kein Betrüger, der habe keine falsche Briefe gemacht, welche unzuverlässige Nachrichten von feinen Eorrespondenren erhalten. Dem Juden ward auferlegt, seine nachtheilige Beschuldigungen zu widerrufen. — Der Jude sagte: ein Schelm der es rhut. — Er konnte es sagen! Mein Bekannter gewann, aber der Jude sollte bezahlen. Er appelierte und fuhr fort, von falschen Briefen zu reden. Er fuhr fort, die Großen zu überlaufen, und — fand Gehör. Das Recht richtete, meinen Bekannten, die Großen richteten auch, aber beyde waren nicht eins. Das Gott erbarm, wenn mein Bekannter ein armer Mann gewesen wäre! Der Jude kam wieder zu mir und redete von einem falschen Briefe. Und wie, fragte ich, haben Sie denn den Proceß verliehren können? Es steht im Urtheil, daß der Brief falsch ist, antwortete er. Wie haben denn die Richter gegen Sie richten können? Sie sollen es sehen. Der Jude glaubte, ich würde nicht sehen, aber ich sah. Seine Antworten waren nicht gerade auf meine Fragen, es stand ein NBbey einer Stelle des Urtheils, wo blos das Wort: Falscher Brief stand. Mehr sollte ich nicht sehen. Aber ich las weiter: ich las, daß der Brief nicht falsch war, und daß der Jude widerrufen sollte: ich las, was wohl dem Juden nicht in der Physionomie stehen muß, denn sonst hätten es die Großen gelesen. Ich durfte ihm nicht weiter ins Gesicht sehen, ich wußte alles, warf das Urtheil auf den Tisch und kehrte dem Juden den Rücken. In demselben Bande sagt Hennings unter deni 22. November 1819 in einer Besprechung von Dräsekes, des bekannten Bremer Predigers, „Vier evangelischen Vorträgen^: „Dräseke ist wohl der Erste, der das Judenthum in der Bildungsstufe über das Heidenthum setzte. Er muß das Alte Testament lange nicht gelesen haben. Wo die Eine das Bildungsgeschäft niederlegt, übernimmt es die Andere zu höheren Uebungen". Die Griechen und Römer härten also das Bildungsgeschäft niedergelegt, und das Jndenthum hätte es zu höheren Uebungen übernommen. Warum kamen denn die Juden in die Babylonische Gefangenschaft und nachmals in die Syrische, Egyptische, Römische, und warum wurden sie nicht die Ton Angeber der Welt? Mit dem Christenthum entwickelte sich freilich eine neue Bildung in einem Theile der Menschheit. Aber mit der höhern stehet es noch traurig aus..." Hennings ist jedoch zu sehr Kind des Zeitalters der Aufklärung mit seinem milden Geiste der Duldsamkeit, als daß er augenfälligem Unrecht, an Juden verübt, oder ihren Vorzügen sich verschließen könnte.

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