Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 125 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114450--2941-3114593- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
125 der sixtinischen Deckes, der ^auf den Holzstock kopiert wurde, und infolgedessen im Druck im Gegensinn erschienen ist. Wollte man nach der Provenienz der andern Darstellungen suchen, so hätte man wahrscheinlich zuerst unter den Spielkarten nachzusehen. Es sind genau dieselben rechteckigen Bildfelder mit je einer Figur, ohne Hintergrundzeichnuug, die hier erscheinen, und es fällt sofort aus, daß der Greis sein Bitterkraut vor sich hin hält, wie Grün-Ober sein Zeichen. Eine derartige Beeinflussung erscheint bei einem Hausbuch, wie die Hagada es ist, ganz erklärlich, und es wäre vielleicht schon bei den späteren in Deutschland geschriebenen Hagaden an derartiges zu denken. Nachdem wir so gesehen haben, wie groß der christliche Einfluß auf die jüdischen Handschriften war, ist es an der Zeit, zu erörtern, inwieweit etwa Nichtjuden die Zeichner dieser Bilder sein könnten. Unzweifelhaft ist es, wie auch die Autoren der „Hagada von Serajewo" annehmen, daß einmal in ganz früher Zeit eine recht bedeutende jüdische Kunstübung bestanden hat. Behauptete doch erst vor kurzem einer der bedeutendsten Orientforscher, v. Strzygowski* 2), daß die Miniaturen einer interessanten Pentateuchhandschrist, etwa des 7. Jahrhunderts v. Ehr. des sog. Ashburnham - Pentateuch sich nur erklären ließen durch Vorlagen, die vielleicht von alexandrinischen Judenchristen hätten gezeichnet sein können. Ebenso unzweifelhaft aber ist es, daß diese Kultur sich im Mittelalter nicht gehalten hat, und daß die Kunst erst wieder ganz allmählich ihren Einzug ins Judentum hat halten müssen. Im allgemeinen ist man den Autoren der „Hagada von Serajewo" ohne weiteres darin gefolgt3), es müßten diese Handschriften von Juden nicht nur geschrieben, sondern auch illustriert worden sein, da der Text zu eng mit den Bildern ver- *) Die Bestätigung dieser Annahme fand ich gleichfalls bei Goldschmidt a. a. O. 2) Josef v. Strzygowski: Orient oder Rom? Leipzig 1901. 3) Eine Ausnahme macht Schwab, a. a. O. S. 132.