Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 124 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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124 die Moise Schwab^) publiziert hat; auch diese Handschrift scheint mir, soweit sich das nach den Abbildungen beurteilen läßt, italienisch zu sein; es spricht dafür z. B. die eigenartige basilikale Anlage kirchenartiger Gebäude (Fig. 14, 16, 21), die Haltung der Eva in Fig. 19, die genau nach der Mediceischen Venus kopiert ist und anderes. Die deutschen Hagaden spielen die Typen nun ins Burleske herüber, der Weise zählt seine Gründe an den Fingern ab, der Frevler steht mit gegrätschten Beinen da und ist höchstens ein Bramarbas, aber kein Krieger; das vierte Kind wird ein tanzender Narr, und so sind die Typen in die gedruckten Hagaden übergegangen. Sie finden sich genau so wieder in einem wahrscheinlich italienischen Druck des 17. Jahrhunderts^), während eigenartigerweise die niederländischen Drucke die ernstere Auffassung haben, von wo sie unsre geschriebene Hagada von 1730 übernommen hat. Jener Druck ist deshalb besonders interessant, weil er wahrscheinlich ein Nachdruck der bekannten Hagada von Mantua von 1560* * 3) ist. Die Darstellungen derselben, soweit sie mir bekannt sind, finden sich hier sämtlich wieder; die große Darstellung des Kindermordes ebenso wie die kleinen Einzelfigureu, der Mann mit der Mazza oder dem Bitterkraut, auch die bekannte Figur Rabbi Akibas, deren Typologin sich gleichfalls bis in die ältesten spanischen Handschriften hinein verfolgen läßt. Es hat sich an diese Figur fast eine kleine Streitfrage angeknüpft, insofern v. Schlosser meint, es wäre diese Figur abzuleiten von Michelangelos Moses, was Zlozisti bestreitet. Letzterer hat zweifellos recht, da sich die Vorlage zu dieser Figur Nachweisen läßt, es ist Michelangelos Jeremias von x) Revue des etudes juives Bd. 45, Jahrgang 1902, S. 112 mit Abbildungen, die angegebenen Figurenzahlen beziehen sich hierauf. -) Fax 3069 der Kgl. Bibliothek zu Berlin; das Titelblatt fehlt, wie das ganze Buch sehr stark beschädigt ist. Herr vr. Elbogen war so freundlich, es mirals wahrscheinlich italienisch zu bestimmen. Der Druckort ist vielleicht Venedig. 3) Publiziert von Dr. Zlozisti, „Ost und West", Aprilhest 1904.