Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 123 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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123 — schriften illustrieren vollständige Bilderreihen, die dem Hagadatext voraufgehen, bestimmte Teile der Bibel, vor allem die Geschichte des Moses und der Israeliten in Ägypten, bereits etwas auf ihre Bestimmung konzentriert aus den gleichmäßigen Jllustrationsfolgen der Bibeln. Ritualdarstellungen werden einfach angeschlossen, und die Entwicklung geht nun dahin, sich von diesen Traditionen zu befreien und die Bilder anzuschließen an den Text der Hagada. Die italienischen Manuskripte werden in den Bildersolgen unregelmäßiger, andre biblische Bilder mengen sich hinein, z. B. aus dem so beliebten Estherbuch, häufiger wird die Darstellung der Zeremonien des Passahfestes, bis schließlich bei den späteren deutschen Darstellungen alles mögliche sich dazwischen schiebt, Liebespärchen und Tierkreiszeichen, und die Gebräuche den biblischen Erzählungen in den Hagadazeichnungen räumlich so genau die Wage halten, daß man ersteren den Seitenrand, letzteren den unteren Rand anweist. Das Verhältnis all dieser Handschriften zu einander zu illustrieren, dazu könnte wohl am besten die Skizze der Ikonographie eines bestimmten Bildthemas dienen. Es gibt in der Hagada eine Schilderung, die gur bildlichen Darstellung geradezu herausfordert, insofern sie vier scharf differenzierte Menschentypen vorführt, nämlich die vier fragenden Kinder: das weise, das böse, das einfältige und das noch nicht zu fragen versteht. Daß es sich hier um Kinder handelt, hat man eigentlich nie berücksichtigt, das weise wird immer als Greis, das frevelhafte als Krieger dargestellt. Von den spanischen Hagaden hat nur eine einzige diese Bilderserie und auch nur fragmentarischden Weisen und den Frevler stellt sie dar, den letzteren, was für Spanien charakteristisch ist, als Mohren in orientalischer Tracht. In den italienischen Handschriften treten die beiden andern Figuren dazu; der Einfältige erhebt erstaunt die Hände, das vierte Kind, das noch nicht zu fragen versteht, deutet mit den Fingern. Die Darstellung findet sich genau ebenso wieder in einer Hagada des 16. Jahrhunderts,