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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 122

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Über den Buchschmuck der Hagada
Date
1908-01-01
Page
122 (sequence 8)
Language
German
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122 Totentänze. Der Todeseugel, ist ein Gerippe, das zerschmettert am Boden liegt, da Gott es niedergeschlagen hat, Gott, nicht als Auge gezeichnet oder als Hand, sondern als Strahlenbündel, das aus der entgegengesetzten Ecke des Bildes herunterfahrt. Auch der Meister, der hier die Vorzeichnung geliefert hat, mag ein Niederländer gewesen sein, jedenfalls ist die Landschaft von einer ganz eigenartigen Weiträumigkeit. Kehren wir von diesem Spätling zurück zu den klassischen Zeiten der Buchmalerei und gleich zu ihren klassischer Arbeiten, so finden wir diese, wie es nicht anders zu erwarten ist, in Italien. Müller und Schlosser kennt zwei Handschriften des Landes aus der 2. Hälfte des 14. und des 15. Jahrhunderts. Die erste von ihnen, die v. Schlosser einem bestimmten Kunstkreis Oberitaliens hat zuweisen können, ist in Ornamenten und Drolerien, in Architektur und Gewandarrordnung nach stark gotisch, aber in jener späteren Stilphase, in der man von realistischen Wirkungen sprechen kann, wo mit Licht und Schatten gerechnet wird, Modellierungen versucht werden, imd dem dünnen französischen Dornblattgewächs die breite Ranke entgegentritt, in der etwas liegt von der Vollgewichtigkeit der Renaissance. Die zweite dieser Handschriften, aus der die Hagada nur ein Teil ist, hat dagegen bereits einen vollendeten Früh - Renaiffancecharakter; Schränke und Säulenhallen, wie sie hier Vorkommen, wurden damals überall in Italien gebaut; das Streben nach Realismus in den Gestalten ist evident, Menschen und Landschaft stehen, wie überall dort, wo eine neue Kunst im Entstehen begriffen ist, fast gleichwertig nebeneinander. Wir sehen also, daß von einen: eigenen Stil in jüdischer Buchmalerei keinesfalls die Rede sein kann, daß aber vielleicht die deutschen Hagaden gewisse selbständige Züge aufweisen bei allgemeiner Abhängigkeit von der Dekoration gleichzeitiger christlicher Gebetbücher. Eine ähnliche Entwicklungsweise läßt sich auch für den Bilderkanon im Ganzen konstruieren. In den ältesten Hand-

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