Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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121 War allerdings das Bücherschreiben noch ein Handwerk um der Thorarollen wegen, und trotzdem ist es bezeichnend für den konservativen Geist des Judentums, daß der Wunsch nach einem luxuriösen Gebetbuch sich gerade hierin äußert. Zuviel Farbiges ist nicht darin. Von den vier Initialen steht nur die erste, am, golden vor einem mit sich kreuzenden blauen Linien und dazwischendurchgesetzten blauen Punkten ornamentierten Hintergrund, der stark an Gotisches erinnert, die drei anderen Initialen sind, als hätte dem Schreiber dann das Modische besser gefallen, in geschmackvolle, schwarz konturierte Barockkartouchen gesetzt. Die Textbilder sind Kopien nach den Stichen der Amsterdamer Kupserstichhagada von 1695, und ahmen auch im Ton die Farbe der Stiche nach; sie sind grau in grau gemalt; farbig, und zwar in sehr sein abgetönten leider recht stark verwischten Farben ist die Darstellung der 10 Plagen und der Zeremonien am Sedertisch. Auch sie sind nach den Amsterdamer Stichen gezeichnet, und es mutet fast tragisch an, wenn man sieht, wie hier die Mutter des Druckes, die Buchmalerei, sich zu ihrer Tochter in die Lehre gibt. Natürlich geht es dabei auch nicht ohne Mißverständnisse ab; das Meer, in das die Aegypter gestürzt sind, ist Perspektiv völlig verzeichnet und fast in Obersicht gegeben, sodaß es wie ein Berg aus Wasser sich darstellt, ein eigenartiges modernes Analogon zu einer Entwickelungsreihe der byzantinischen Kunst. Dort wird aus dem Fluß, in dem Jesus bei der Taufe steht, durch schlechte Zeichnung der Uferlinien allmählich ein Wasserhügel, der an Christus allmählich bis zu den Hüften emporschwillt, eine Entwickelung, die dort in Generationen sich vollzieht, und die wir hier in einer Stunde sich abspielen sehen. Zu einzelnen Darstellungen, z. B. den Illustrationen der beiden ' Schlußlieder, habe ich Vorlagen nicht auffinden können, es scheint aber, als wären sie auch hier vorhanden gewesen. Es nrüssen recht gute Künstler ihre Urheber gewesen sein, denn gegenständlich sind diese Bilder die besten von allen. Das letzte Bildchen erinnert fast an die Wucht alter