Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 120 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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120 der sie nicht zu verwenden verstanden hätte, sondern den Mann einer hochstehenden Epoche, der sie vernachlässigen darf, weil er rnit weniger Worten dasselbe sagen kann. Wenn früher Rankengeflechte den Text rahmten und in ihrem Geäst Tiere und Menschlein lustig herumkletternd durcheinanderspielten, die eigentlichen Illustrationen aber im Text standen, so ist jetzt das Geranke verschwunden und das Jllustrationsbild ist so beweglich geworden, daß man es selbst zur Einrahmung verwenden kann. Es ist die phantastische Beweglichkeit der deutschen Spätgotik, die hier ihr Spiel treibt, mit übernommenen formen völlig frei schaltet und durch neue Mittel neue überraschende Wirkungen herausbringt, dadurch z. B., daß Helle Figuren aus dunklem Grunde ausgespart werden. Die Jnitialzeichnung setzt sich zu Früherem gerade in Gegensatz. Während man früher den Z Hintergrund der Initiale durch ein Bild füllte und die schmalen Buchstaben davorsetzte, verbreitert man jetzt den Zug der Buchstaben und stellt die Bildchen dort hinein, füllt dabei den Hintergrund mit nebensächlichen, feinen Linienzügeu aus' und läßt so das unbetont, worauf früher der Hauptakzent gelegen hatte. Es sind hier, namentlich in der Tierphantastik, die tollsten Einfälle niedergelegt, sodaß man diese spätgotischen Handschriften alles in allem genommen, wohl als die eigenartigsten der ganzen Gruppe wird bezeichnen können. Eine besondere Stellung nimmt unter den deutschen Handschriften, allein schon durch ihr spätes Datmn, die Hagada ein, die sich im Besitz der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin jbefindet^) und von der mit ein paar Worten noch die Rede fein mag, da sie hier wohl zum ersten Mal eine Erwähnung findet. Sie ist geschrieben im Jahre 1730 in Preßburg von dem Schreiber Aron ben Benjamin S'ew, zu einer Zeit also, wo in der christlichen Welt längst niemand mehr daran dachte, sich ein Buch schreiben zu lassen. Im Judentum i) Dem Bibliothekar der Lehranstalt, Herrn Dr. M. Barol, der mir die Handschrift zugänglich machte, spreche ich hierdurch meinen besten Dank aus.