Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 119 (sequence 5)
- Language
- German
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119 stammt nach Professor Kaufmanns Ausführungen *) Wohl aus Nordfrankreich. Von den fünf Handschriften deutschen Ursprungs, die Müller und Schlosser erwähnen, können wir die erste, ein Machsor, für unsere Betrachtung, die sich auf Hagaden beschränken soll, außer Acht lassen und dafür einschalten eine Hagada der Hamburger /Ltadtbibliothek, aus der Kohut Abbildungen gibt, die er freilich beliebig als Vignetten und Schlußstücke verwendet und eine Hagada des 18. Jahrhunderts im Besitze der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Diese deutschen Handschriften sind zweifellos die originellsten von allen, ihre Zeichnungen sind frisch und geistvoll hingeworfen, die Bewegungen sehr momentan gefaßt. Die Erklärung für diese Wandlung ist vielleicht darin zu suchen, daß diese Handschriften entstanden sind zwischen der ersten Hälfte des 14. und der Mitte des 15 Jahrhunderts^), in einer Zeit also, in der die Buchmalerei ihre Herrschaft allmählich dem Druck abtrat, und sich fortsetzte im Kupferstich. Die Folge davon ist, daß es in diesen Bildchen überhaupt nicht mehr auf eine gemäldeartige Wirkung angelegt ist. Es sind geistvoll hingeworfene Textillustrationen, fast Impressionen, leichtgetuschte Federzeichnungen ohne jede Tiefenwirkung, deren Fehlen nicht einen unbeholfenen Künstler verrät, *) Kevue des etudes juives T. XXV. S. 05. 2) Kohut, Geschichte der deutschen Juden, Berlin 1899, Seite 89 bis Seite 162. Ich möchte infolgedessen kein Urteil über die Handschrift, die Kohut ins 18. Jahrhundert datiert, abgeben, doch scheint der Stil der Zeichnungen diese in weit frühere Zeit zu verweisen; auch die eigenartige Zeichnung des losgelösten Armes, der ein Sstersymbol halt (übrigens eine typische Form kirchlicher Religuiare) findet sich in einer deutschen Hagada des 15. Jahrhunderts wieder (Müller und Schlosser a. a. O.) Es ist das ein ganz barocker, unkünstlicher Gedanke. Bei einer anderen Hagada des 17. Jahrhunderts, aus der Kohut eine Abbildung gibt, ist nicht der £rt angegeben, wo sie zu finden ist. Eine typische deutsche Hagada ist, leider ohne Abbildungen, sehr ausführlich beschrieben in Frankel's Monatsschrift, 46. Jahrgang 1902, Seite 560. 3) Müller und Schlosser a. a. O. setzt sie zwischen das Ende des 15. und die Mitte des 16. Jahrhunderts. S*