Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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118 nehmen, scheint diese Provenienz nur bei Additionei 27 210 des British Museum zweifelhaft. Es ist interessant zu sehen, wie bei starker Abhängigkeit der Originaltypus stets etwas vergröbert wird. Bei den spanischen Hagaden sind die Köpfe menschlicher Figuren im Verhältnis zum Körper viel zu groß geraten, die Andeutung des Gewandsaumes ist durch einen einfachen Weißen Strich vorgenommen und zwar gleichmäßig an jeder belichteten oder beschatteten Stelle, die Bewegungen, z. B. der Finger, sind durchaus unklar, da die Gelenke meist überhaupt nicht angedeutet sind. Und doch könnte die dem gotischen Stil eigene Biegung im Körper nur durch eine solche Klarlegung ihre Motivierung für den Beschauer finden. Add. 27 210 ist in seiner Zeichnungsart zu den spanischen Hagaden das genaue Widerspiel. Von der Feinlinigkeit der ganzen Darstellung abzusehen, die sich in Worte überhaupt nicht recht fassen läßt, sondern gesehen und empfunden werden muß, sind die Körper in ihren Proportionen und Bewegungen ausgezeichnet, und die Freude an der Klarstellung der Gelenke ist so groß, daß man in fast kokettierender Weise Arme und Beine entblößt und die Fingergelenkigkeit zur feinsten Geberdensprache ausnutzt. Die Reinheit der gotischen Architekturen legt gerade gegen Spanien sehr stark Zeugnis ab, und das komplizierte Spiel der Lichter und Schatten in den Gewandrändern ist so fein beobachtet und wiedergegeben, daß man hier eigentlich nur an das Frankreich des 13. Jahrhunderts selbst als das Entstehungsland denken möchtet) Da die Handschrift dem spanischen Ritus folgt, so kann nur ein Landesteil in Betracht kommen, in dem spanische Juden heimisch waren, am ehesten die Provence als Durchgangsland zwischen Frankreich und Spanien. Es wäre auch eigenartig, wenn aus dieser alten Heimat jüdischer Kultur so gar keine derartigen Manuskripte auf uns sollten gekommen sein, denn eine andere französische Hagada Für diese Annahme fand ich die Bestätigung bei Goldschmidt a. a. O.