Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 117 (sequence 3)
- Language
- German
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117 den Völkerpsychologen ebenso wie für den Kunsthistoriker, daß auf diese Weise Übernommenes uns stets etwas Aeußerliches bleibt, daß hier das Französische in der Zeichnung vollständig ausgewogen wird von dem Maurischlebhaften in der Farbe; die Farbe aber ist das, was hier den (Andruck bestimmt. Die angenommene Zeichnungsart bleibt etwas Äußerliches, das heißt, es darf uns nicht überraschen, Elemente etwa aus verschiedenen Epochen der vorbildlichen Malweise in einem Werke verarbeitet zu finden. In der Hagada von Serajewo, deren Entstehung Goldschmidtl) im Gegensatz zu Müller und Schlosser nicht ans Ende des 13. sondern Wohl mit größerem Recht ins vorgeschrittene 14. Jahrhundert setzt, entspricht die Gruppierung der Personen, die Verteilung im Raum bereits einer Zeit, die vorn italienischen Trecento beeinflußt ist, während die einzelnen landschaftlichen Elemente starke Verwandschaft zeigen mit denen im Psalter Ludwigs des Heiligen, dessen Entstehungszeit Dr. Haseloff^) auf die Zeit zwischen 1252 und 1270 bestimmt hat. Es findet sich dieselbe Zeichnung des Mondes und vor allem die höchst eigenartige Andeutung der Sonne durch einen Kreis, von dessen Mittelpunkt kleine Kurven nach dem Rande zu sich verteilen; es wiederholt sich die Zeichnung der Bäume nach ihrem Umriß, den man dann durch regelmäßig sich kreuzende Parallelstriche teilt, um mit jedem Feld den Eindruck eines übermäßig großen Blattes zu machen, oder den man mit beliebigen ganz großen Blattformen anfüllt. Die Schöpfungstage sind an kleinen Kugeln aufgezeigt, wie in den Bibles moralisees, sogar die Formel für die Scheidung von Licht und Finsternis durch einfache Teilung des Feldes in eine schwarze und eine Weiße Hälfte ist dort bereits gefunden. Daß diese Hagada in Spanien entstanden ist, scheint trotzdem die farbige Durchführung zweifellos zu machen, und von den sechs anderen Hagaden, die Müller und Schlosser als spanisch in Anspruch *) Adolf Goldschmidt: Anzeige der Hagada von Serajewo, Repertorium für Kunstwissenschaft. 1900 Bd. XXIII S. 333. 2) Arthur Haseloff, Les psantiers de St. Louis, Paris. 8