Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Über den Buchschmuck der Hagada
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 116 (sequence 2)
- Language
- German
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116 und Was Ursache war. Im Judentums setzte diese Forschung bei dem volkstümlichsten Buche, der Hagada ein, mit dem Werk von Müller und Schlosser: Die Hagadah von Sarajevo, Wien 1898. Von ihm wird man immer auszugehen haben, denn es enthält eine genaue Aufstellung des gesamten Materials an Hagaden, soweit es damals bekannt war, und registrierte bei jeder die einzelnen Bilder so gründlich, daß es mit das beste Nachschlagewerk ist, das sich für ein Spezialgebiet überhaupt wünschen läßt. Das Werk enthält ferner einen Aufsatz David Kaufmanns über die Geschichte der jüdischen Handschriftenillustration, mit dem ein Schritt in ein ganz neues Land getan wurde, ohne daß man sagen könnte, manseiseither besonders viel weiter gekommen. Wichtig ist es aber, diese Hagaden einmal vorzuführen im Rahmen eines allgemeinen Kunstüberblicks, weil dann das Verhältnis der jüdischen Kultur zur gleichzeitigen christlichen, wenn auch nicht aktenmäßig festgelegt, so doch besser empfunden werden kann. Spanien, das Land an das man immer zuerst denkt, wenn von jüdischer Kultur die Rede ist, hat vielleicht nie eine eigene Kunst aus sich geboren, wenn man davon absieht, daß der Impressionismus sich dort zuerst klar ausgesprochen hat. Dem Streite italienischer und niederländischer Einflüsse um die Herrschaft in späterer Zeit entspricht im Mittelalter der Kampf zwischen maurischen und französischen Kunstanschauungen, der sich in der Miniaturmalerei natürlich' nur in der Mischung dekorativer Formen äußert. Hier ist Frankreich, wie im ganzen Abendlande, tonangebend gewesen, und wie es selbst in die romanischen Bauten seiner südlichen Landesteile den maurischen Hufeisenbogen aufnahm, so schenkte es den spanischen Miniatoren seine Gewohnheit, den Hintergrund des Bildchens ornamental zu stillen, statt landschaftlich, die geschwungene gotische Linie der Figurenzeichnung und schließlich die äußeren Randverzierungen, die Drölerien. Das maurische Element kommt nur als gelegentliches Akzedens in einem Hufeisenbogen oder einem Mohrenkopf dazu. Und trotzdem ist es interessant, für