Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 113 (sequence 26)
- Language
- German
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113 Als Poetischer Kommentar zum Pentateuch haben sich die beiden biblischen, Epen Schahins, das Genesisbuch und das Mosesbuch bei den Juden persischer Zunge bis auf den heutigen Tag erhalten. Einer Tradition zufolge verbreiteten sie sich im dritten Jahrhundert des fünften Jahrtausends, d. i. nach 1440 auch in den Städten des Ostens, wie Bochara, Taschkend, Samarkand und Balch. Aus den letzteren beiden Städten stammen die Handschriften, die der jüngst (1902—1905) in Jerusalem gedruckten Ausgabe der zu einem Ganzen verbundenen zwei Werke zu Grunde liegen. Wie der Herausgeber, der gelehrte Simeon Chakham, ein eifriger Kenner der jüdisch-persischen Literatur, berichtet, waren die Handschriften des Schahinschen Werkes in den letzten Jahrhunderten äußerst selten geworden. Und es ist bezeichnend, daß er selbst von den anderen zwei Dichtungen Schahins, dem Ardeschirbuche und dem Esrabuche gar keine Kenntnis besitzt. Den genannten Herausgeber leitete nicht das bloße Interesse an einem alten Literaturdenkmal, sondern er wollte den gleich ihren Ahnen sehr poesiefreundlichen persischen Juden, zunächst seinen eigenen Landsleuten, den teils in Jerusalem, teils in der Heimat wohnenden Juden von Bochara, die Dichtungen Schahins als erbauliche und erquickliche Lektüre für Sabbathe und Festtage darbieten, als welche sie, wie er berichtet, in früheren Jahrhunderten fleißig benutzt wurden. Und so ist denn der alte Poet von Schiras in Jerusalem, der, wie er sagt, geistigen Heimat seiner Poesie, zu neuem Leben erstanden. Ein ueues Geschlecht wird sich an seinen Versen ergötzen, wird dem Fluge seiner Phantasie folgen, mit der er den biblischen Erzählungen Legenden mannigfacher Art und allerlei dichterischen Schmuck ein- und anfügte. Am Himmel der jüdischen Literaturgeschichte aber wird fortan der Name Schahin als neuendeckter Stern zu glänzen haben. Er wird genannt werden als der Schöpfer und fruchtbarer Bahnbrecher der jüdisch-persischen Poesie, der die Kunst Firdusis und Nisamis der Liebe zu seinem Glauben und zu feinem Stamme dienstbar machte, der aus hei-