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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 112

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
Date
1908-01-01
Page
112 (sequence 25)
Language
German
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112 Am Schlüsse seines ersten Werkes sagt er: Dir ward ein königlicher Schatz gewährt. Wie seinesgleichen Niemand noch gesehen. Du liehest Glanz der Welt mit deiner Dichtung Und hast Verborgenes ans Licht gefördert. Der Rede gabst du neuer Feinheit Reize, Und weisen Inhalt pflanzest du ihr ein. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, daß Schahins Bewußtsein von dem Werthe seiner Poesie durch den Umstand gesteigert wurde, daß er tatsächlich der Welt, in der er lebte und wirkte, den Juden von Schiras und Persien, etwas durchaus Neues darbot. Schahin war der Erste, der der persischen Poesie jüdischen Inhalt gab, der Erste, der die biblische Geschichtserzählung in die Formen des persischen Epos kleidete. Schahin betont einmal auch den jüdischen Charakter und den religiösen Inhalt seiner Dichtung. Eines der letzten Kapitel des Genesisbuches schließt er, anknüpfend an die Worte des Abschiedes, die Jakob an Joseph richtet, mit folgendem Gebet: O Gott, verzeihe mir um ihretwillen. Gib, daß des Glaubens Geist mein Herz erfülle. An dem Verdienst der Ahnen fest mich haltend. Erfleh' ich deine Huld in diesem Werke. Dein Wort verbreite ich bei deinen Dienern; Leichtfertigkeit ist meiner Dichtung ferne; Der Geist der Heiligkeit durchdringt mein Werk Nicht griechisch ist sein Schmuck, er ist jerusalemisch. Dieser letztere Vers bedarf der' Erläuterung. Nach einer Stelle des Ardeschirbuches hegte Schahin die Anschauung, daß die Kunst des Gesanges und der Musik aus Rum, d. i. aus Griechenland, stamme, eine Anschauung, die sich auch bei Nisami findet. Wenn also Schahin hier sagt, daß der Schmuck seiner Dichtung nicht griechisch, sondern jerusalemisch sei, so will er damit sagen, daß er seine Poesie nicht als weltlichen Sang, sondern als jüdisch-religiöse Dichtung betrachtet wissen wolle.

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