Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 111 (sequence 24)
- Language
- German
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111 Indem Schahin sein Erstlingswerk zu einem vollständigen poetischen Kommentar der Thora — um seinen eignen Ausdruck zu gebrauchen — abrundete, beendigte er seine dichterische Lebensaufgabe. In einem innigen Gebet drückt er seine Freude darüber aus: O Gott, du hast aufs neu' mir Sieg verliehen. Mir des Erbarmens Tor aufs neu' geöffnet. Zum Vollmond wuchs der Neumond meines Glückes, So daß mir Helligkeit die Nacht durchstrahlte. Der Winter wurde mir zum Lenz verwandelt. So daß mir frische Rosenfluren blühten. Spricht sich in diesen Zeilen die Seligkeit darüber aus, daß ihm noch in den Jahren des Alters der Erfolg fruchtreichen Schaffens nicht versagt blieb, so klingt es wie Todesahnung, wenn er sagt: Nicht ließ mich des Allmächtigen Gnade sterben. Eh' meine Arbeit ich zu Ende führte. Es scheint auch, daß er nicht lange nach der Vollendung des Genesisbuches aus dem Leben schied. In dem Epilog nämlich läßt ihn die neuerwachte Schaffenslust den Vorsatz aussprechen, bald wieder ein ähnliches Werk für die wahrhaften Kinder des Stammes Jakobs, also eine biblische Dichtung, wohl die Bearbeitung der nachmosaischen Geschichte, hervorzubringen. Aber diesen Vorsatz hat er nicht ausgesührt. Erst zweihundert Jahre später unternahm es ein anderer Dichter aus Schiras, der bereits erwähnte Jmrani, die biblische Geschichte von Josua bis Salomo zum Gegenstände einer umfangreichen epischen Dichtung zu machen, mit der von ihm ausdrücklich geäußerten Absicht, die Arbeit Schahins fortzusetzen. Gleich seinen Vorbildern, den Meistern der persischen Poesie, scheute Schahin nicht davor zurück, seine eigene dichterische Leistung auf eine Weise zu rühmen, die unserem Geschmacke wie unerträgliches Selbstlob klingt.