Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 110 (sequence 23)
- Language
- German
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110 den sechs Zweizeilern Mrdusis mit den Vorzügen Josephs stehen bei Schahin zwöls gegenüber, den fünf Zweizeilern mit den Mängeln Josephs bei Schahin elf. Die Verehrung für den Helden des Mosesbuches bringt Schahin auch im Genesisbuche wo er kann zur Geltung. In den Worten „und seine Tage sollen hundertundzwanzig Jahre sein" (Gen. 6, 3) sah er mit dem Midrasch eine Anspielung auf das Lebensalter Moses' und daraus nimmt er Anlaß, die Worte Gottes als feierliche Vorhersagung der Erscheinung Moses' zu paraphrasieren und der dereinstigen Leuchte des Stammes Jakobs schon in der Urgeschichte ein besonderes Kapitel zu widmen. In der Erzählung von der Sündslut begleitet er die Angabe, daß Palästina von dieser nicht berührt worden sei, mit der Erklärung, dies sei durch Moses' Verdienst bewirkt worden. In der Vision Abrahams (Gen. 15) verkündet Gott dem Patriarchen das Auftreten und Wirken Moses'. Ebenso prophezeit ihn Joseph in seiner letzten Rede an die Brüder. Bei der Geburt Levis heißt es. daß in ihm jenes Licht erglänzte, das sich dereinst in seinem größten Nachkommen, in Moses, kundgeben sollte. Am Tag der Schöpfung hat des Allerbarmers Allmacht'ger Wille jenes Licht bereitet. Von dem die Sphären ihren Glanz erhielten, Den Glanz, der nie von ihnen sollte weichen. Nach göttlichem Geheiß ward jenes Licht Auf Adams Stirn, des ersten Menschen sichtbar; Von Adam kam in der Geschlechter Folge Auf göttlichen Befehl das Licht zu Amram, Dann wurde endlich es in Moses sichtbar. Dem Gottesleu'n durch Gottes Gnadenfülle. In dieser mystischen Anschauung vom Lichte, das in Moses sichtbar wurde und in direkter Erbfolge vom erstgeschaffenen Menschen stammte, liegt zugleich eine stillschweigende Polemik gegen den Islam, von dessen Propheten gesagt wurde, daß sein Licht schon bei der Schöpfung des ersten Menschen erstrahlte.