Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 109 (sequence 22)
- Language
- German
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109 sich nicht, gleich den anderen ^Engeln, vor dem Neugeschaffenen beugen wollte. Der Satan, den er mit dem Koran auch Jblis, ferner Asasel nennt, spielt auch sonst eine große Rolle bei Schahin, so namentlich in der weitausgesponnenen Nimrodlegende als Verführer Nimrods und — in der früheren Dichtung — als Verführer Pharaos. Für die Josephgeschichte, den Inhalt der zweiten Hälfte des Genesisbuches, treten sowohl die jüdischen als die muhammedanischen Quellen vor einer poetischen Hauptquelle ersten Ranges in den Hintergrund zurück. Der größte epische Dichter der Perser, den Schahin als seinen Meister ehrte, hatte nach Vollendung des Schahname das romantische Epos: Jussuf und Suleicha verfaßt. In diesem ist die „schönste der Geschichten", wie sie der Koran nennt, auf Grund der muhammedanischen, zumeist selbst auf der Agada beruhenden Legenden bearbeitet, mit dem im Titel des Werkes genannten Liebespaare im Mittelpunkte der Darstellung. Schahin huldigt der Größe Firdusis, indem er für diesen Teil seines Genesisbuches der eigenen Gestaltungsgabe entsagt und sich vollständig an Firdusis Dichtung hält; er nimmt Abschnitt für Abschnitt den Gang der Erzählung, selbst in kleineren Einzelheiten, aus dem Firdusischen Epos und erlaubt sich nur dort Aenderungen, Auslassungen und Einfügungen, wo der Inhalt des Bibeltextes dies erforderlich macht. In dieser Aufnahme der Firdusischen Dichtung in die eigene verfuhr aber Schahin ganz selbständig. Schon die Verschiedenheit des Metrums verhinderte ihn daran, sich auch nur einen einzigen Vers von Firdusi einfach anzueignen. Vielmehr ist der betreffende Teil des Schahinschen Genesisbuches durchaus Neudichtung mit Zugrundelegung des Firdusischen Plans. So, um nur ein einziges Beispiel anzuführen, erzählt auch Schahin, wie Firdusi, daß Joseph in Aegypten auf dem Sklavenmarkte öffentlich feilgeboten wurde, daß der Ausrufer die vielen Vorzüge Josephs rühmend aufzählte und daß ihn dann Joseph bittet, er möge nun auch seine Fehler aufzählen. Aber die Darstellung ist bei Schahin eine ganz verschiedene;