Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 105 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114449--2920-3114573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 Zum Ardeschirbuche Schahins gehört als Anhang, aber ein kleines Epos für sich bildend, eine nicht viel über 500 Distichen zählende Dichtung, die folgende Ueberschrift trägt: „Buch der Rolle Esras. Erbauung des Heiligtums; Bericht über die Herrschaft Koreschs des Sohnes Ardeschirs". Man könnte es kurz das Koreschbuch nennen, da es mit dem Regierungsantritte Koreschs beginnt und mit seinem Tode schließt. Doch möge es, seiner Ueberschrift gemäß, das Esrabuch heißen. Vom Inhalt des biblischen Esra-Buches findet sich garnichts in ihm, die Rückkehr aus dem Exil und die Wiederherstellung des Heiligtums wird nur kurz erwähnt. Den hauptsächlichen Stoff der Erzählung bilden zwei Sagen, die bei den Juden Persiens im Volksmunde gelebt zu haben scheinen. Sie haben die Erlaubnis zur Rückkehr und die Thoraabschrift Esras zum Gegenstände. Dieser vermutliche Ursprung der beiden Sagen macht es erklärlich, daß in der ersteren nicht Serubabel die Erlaubnis zur Rückkehr erwirkt, sondern der einzige überlebende Prinz aus dem Hause Davids, Namens Mattitjahu. Schahin selbst hätte sich eine so eklatante Abweichung von dem in der Bibel zu Lesenden nicht zu Schulden kommen lassen. Die zweite Sage lautet in gedrängter Uebersicht so: Israel war ins heilige Land zurückgekehrt; aber es war keine Thora vorhanden, da sie von Nebukadnezzar verbrannt worden war. Durch Gottes wunderbaren Beistand schrieb sie nun Esra aus dem Gedächtnisse nieder, ohne einen Buchstaben zu verfehlen. Dankbar nahm das Volk die Thoraabschrift als kostbares Geschenk aus den Händen Esras entgegen. Jedoch wünschte man, daß er, um die vollständige Genauigkeit seiner Niederschrift zu bestätigen, die Nachkommen Moses' aufsuche, bei denen sich der authentische Text der Thora befinde. Mit Hilfe des großen Gottesnamens flog Esra mit Windeseile zum „fließenden Sande" (dem Sambathion), wo die Nachkommen Moses wohnten. Sie hießen ihn willkommen und stellten mit frohem Erstaunen fest, daß zwischen dem Exemplare Moses und dem Esras nicht der geringste Unterschied zu finden sei. Voll Bewunderung riefen sie