Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 104 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Tochter, und er läßt der Esthergeschichte mehrere Kapitel vorausgehen, in denen die Werbung Ardeschirs um die babylonische Prinzessin und seine Vermählung mit ihr erzählt wird. Den Inhalt des Estherbuches fügt er mit großer Geschicklichkeit seinem Königsepos ein, und er weiß es z. B. als plausibel erscheinen zu lassen, wie Haman, den er aus Griechenland nach Susa kommen läßt, mit Hilfe des alten Vesiers, des aus dem Schahname gut bekannten Bischutan, die Gunst des Königs erlangt und dann jenen aus seinem Amte verdrängt. Eine überraschende Wendung nimmt die Dichtung in ihrer zweiten Hälfte, nach dem Siege Mordechais und Esthers. Ardeschir hatte zwei Söhne, den Einen, Schero, von Waschti, den Andern, Koresch (d. i. Cyrus), von Esther. Beide umfaßt er mit gleicher Liebe und sie sind auch einander mit brüderlicher Liebe zugetan. Der Sohn Waschtis, Schero, den allem Anscheine nach Schahin frei erfunden hat, tritt im zweiten Teile des Werkes in den Vordergrund und zwar alsHeld eines Feenmärchens, zu dem sich nun das Ardeschirbuch gestaltet. Es wird nämlich die Liebe Scheros und einer Feenprinzessin erzählt, die ihn bei einer Jagd auf wunderbare Weise entführt hat. Am Schlüsse kehrt Schero zu seinem Vater zurück, verunglückt aber auf der Jagd, indem er in einen von Röhricht umstandenen Sumpf fällt. Ardeschir selbst findet den Tod im Kampfe mit einem Drachen, den er tötet, aber dabei selbst umkommt. Eine lange elegische Betrachtung beschließt das Ardeschirbuch, in dem Schahin mit großer Erfindungsgabe drei so grundverschiedene Stoffe, wie sie das persische Königsepos, das biblische Estherbuch und die Märchenwelt der Feen ihm darboten, zu einem Ganzen vereinigte. Der vorhandene Teil des Werkes enthält in 92 Kapiteln rund 6000 Zweizeiler. Es ist reich an Schilderungen von Jagden und Trinkgelagen, wie das persische Königsepos sie liebt. Seine biblischen Dichtungen hat Schahin von solchen Schilderungen freigehalten.