Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 102 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Agada und aus den biblischen Legenden der Muhammedaner, sowie aus seiner eigenen, besonders durch das persische Nationalepos befruchteten Phantasie. Manche Partien sind sehr weitläufig ausgeführt, wie die Jugendgeschichte Moses' und die Legende von seinem Tode. Besonders sorgfältig und unter dem sichtlichen Einflüsse Firdusi's sind die Kriegs- und Schlachtenbilder ausgearbeitet, zu denen die biblische Erzählung Anlaß bietet. Solche große Kriegsepisoden sind: der Kampf gegen Amalek, der Kriegszug gegen den König von Arad, die Kriege mit Sichon und mit Og, die Expedition gegen Midjian. In diesen Episoden läßt Schahin seine Erfindungsgabe mit großer Kühnheit walten. Die biblischen Personen sind bei ihm Kriegshelden, die mit wuchtigem Arme die Waffen handhaben und mit Ueberlegung die Schlachten lenken, die im Einzelkampfe den Gegner besiegen und Wunder der Tapferkeit üben. Sie kämpfen zu Rosse, während die gegnerischen Führer auf Elefanten konrmen. Die Kämpfe der Helden werden mit Rede und Gegenrede, mit herausfordernden und schmähenden Worten eingeleitet. Als die Vorkämpfer Israels erscheinen Josua, Eleasar, Pinchas, besonders Eldad, aber auch andere von Schahin frei erfundene Helden. Als die von den Feinden angerufenen Gottheiten erscheinen, Lat und Manat, die Götter der heidnischen Araber, sowie Adhar (Asar), der persische Gott des Feuers; die heidnischen Tempel, die Israel zerstört, sind Feuertempel, gleich denen der alten Perser. Dem vom Leben scheidenden Helden seiner Dichtung legt Schahin verschiedene Abschiedsreden in den Mund, außer den Paraphrasen des biblischen großen Liedes und des Segens an die Stämme. Und bei der Trauerfeier um Moses treten nacheinander mit Klagereden auf sein Sohn Elieser, seine Neffen Eleasar und Jthamar, dann Pinchas, Josua und endlich die hochbetagte Mutter Jochebed. Diese läßt chrer Klage um den Sohn eine vorwurfsvolle Apostrophe an den Berg Sinai folgen. Und auch der Berg Sinai läßt sich vernehmen und mahnt Jochebed, sich in's Unabänderliche zu fügen und sich