Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
Date
1908-01-01
Page
100 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111088-3114449--2915-3114568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 langten und bereits erwähnten konfessionellen Vorurteilslosigkeit zuschreiben, der auch der jüdische Dichter sich nicht entzogen hat. Keineswegs aber darf durch diese dem Islam erwiesene Achtung ein Zweifel an der streng jüdischen Gesinnung Schahins erweckt werden. Die Begeisterung für seinen eigenen Glauben hat Schahin namentlich in der schwärmerischen Verehrung zum Ausdrucke gebracht, die er Moses widmet. Diese Verehrung gelangt am Eingänge jedes seiner Werke zum Worte. So wie die Persischen Epiker, von Firdusi angefangen, jedes ihrer Werke mit einem Kapitel zum Lobe Gottes und einem andern Kapitel zum Lobe des Propheten beginnen, so läßt Schahin dem einleitenden Kapitel, das Gottes Einheit und Allmacht preist, eines zum Lobe Moses' folgen. Er befolgt damit die Regel seiner Kunst und polemisiert zugleich stillschweigend gegen die Religion seiner muhammedanischen Kunstgenossen. Epitheta, die diese ihrem Propheten bellegen, sagt er von Moses aus. So nennt er ihn einmal den „Fürsprecher des Auferstehungstages", an dem das große Weltgericht stattsindet. Deutlicher ist die Polemll gegen den Propheten des Islam, wenn Schahin von Moses aussagt: Ein Gottgesandter, zwischen dem und Gott Nicht Gabriel, noch sonst ein Wesen stand. Das ist eine Anspielung darauf, daß Muhammed den Koran durch Gabriels Vermittelung offenbart erhielt. Ein anderes Mal heißt es: Aus Thora, Evangelium und Koran Vernimm die Herrlichkeit des Sohnes Amrams. D. h.: auch Christentum und Islam erkennen die Erhabenheit Moses' an. Und da in Schahins Umgebung, durch die schulischen Perser, neben Muhammed auch Ali, der vierte Chalise, außerordentliche Verehrung genoß, gestattet er sich, eines der ältesten und beliebtesten Epitheta Ms auf Moses zu übertragen. Er nennt ihn in vielfachen Variationen den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.