Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 99 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114449--2914-3114567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
99 Laufe der Zeiten zur Kibla, dem Richtungspunkte des Gebetes, werden solle. Dieses Haus werde von ihnen — Abraham und Jsmael — als Denkmal verbleiben und ein hochangesehenes Ziel der Wallfahrten sein. Beide begaben sich nun hin, brachten Opfer dar und erbauten das Haus, das sie Kaaba nannten, und das nachher zur Wallfahrtsstätte wurde. Forthin kam Abraham jährlich zu der von ihm erbauten heiligen Stätte und verweilte daselbst in Andacht. In der Wallfahrt zu ihr wurde das Andenken Abrahams verewigt. Diese höchst wahrscheinlich aus Tabari geschöpfte Legende führt die Gründung des Heiligtums von Mekka, sowie den Brauch zu ihm zu wallfahren, eines der großen Gebote des Islam, auf Abraham zurück. Schahin hat sie ohne weiteres den Erzählungen über die Patriarchen einverleibt. Ihn leitete jedenfalls der Gedanke, daß der strenge Monotheismus desJslammitderReligion Abrahams vereinbar sei, und so widerstrebte es seinem jüdischen Bewußtsein nicht, von den Bekennern der Religion Mnhammeds die Berichte über die Gründung der Kaaba zu übernehmen. Mit gleicher Unbefangenheit bereichert er die Legende vom Tode Moses' mit Vorstellungen von: Paradiese, die dem Anschauungskreise des Islam angehören. Die biblischen Personen benennt er mit Namen, die sie im Koran haben. So sagt er statt Kain und Abel stets Kabil und Habil; Korach ist Karun; Abraham heißt bei ihm stets Chalil (der Freund Gottes) oder Ibrahim usw. Es war bereits erwähnt, daß Schahm die Entstehungs- * zeit seiner Werke auch mit dem Jahre der Hedschra angibt. Einmal tut er das so, daß er Muhammed, nach dessen Flucht diese Aera rechnet, als den Hochgeschätzten, den angesehenen und verehrten Königsfalken bezeichnet. Diese auffallende Weitherzigkeit Schahins dem Islam gegenüber läßt sich zum Teil aus seiner eifrigen Beschäftigung mit der muhammedanischen Literatur erklären. Hauptsächlich aber darf man sie dem Einflüsse der unter der mongolischen Dynastie zur Geltung ge-