Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 98 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114449--2913-3114566- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 Koran und seine Kommentare gelesen hat und daß ihm von Tabaris Geschichtswerk der die biblische Geschichte behandelnde Teil bekannt war. Schahins jüdische Gelehrsamkeit, soweit sie aus seinen Werken ersichtlich ist, umfaßt vornehmlich das Gebiet der Agada. Als Quelle seiner Dichtungen sind außer dem babylonischen Talmud und den meisten der bekannteren Midraschwerke auch einige andere Schriften nachweisbar. Daß er Saadjas Pentateuchübersetzung benutzte, darf als selbstverständlich gelten. Diese Vereinigung von drei verschiedenen Literaturgebieten im Wissen Schahins verleiht seinen Dichtungen ein ganz eigenartiges Gepräge. Und auch seine Individualität erhält dadurch eine merkwürdige Beleuchtung. Wir sehen einen Träger jüdischen Wissens und jüdischer religiöser Gesinnung, der unbefangen und unterschiedlos mit Stoffen, die der Bibel und der jüdischen Traditionsliteratur angehören, solche Elemente mengte, die dem religiösen Schrifttum des Islam und der persischen Nationalliteratur entnommen sind. Wie weit Schahins konfessionelle Unbefangenheit geht, möge folgendes Beispiel zeigen. In seiner Dichtung zur Genesis erzählt er auf Grund muhammedanischer Quellen die Beziehungen zwischen Abraham und seinem Sohne Jsmael. In kurzem Resumö lautet die Erzählung folgendermaßen: Der Brunnen, der auf Gottes Fügung hervorquoll, um den verschmachtenden Jsmael zu laben, war der nachher berühmte Brunnen Samsam. Bei ihm wohnte Hagar lange Zeit allein mit ihrem Sohne Jsmael, der Jäger wurde. Einst kam er auf der Jagd mit arabischen Emiren zusammen, die ihn bis zu seinem Brunnen begleiteten. Auf ihre Mtte erlaubte er ihnen, sich dort ebenfalls niederzülassen; doch mußten sie sein Eigentumsrecht am Brunnen Samsam in einer Urkunde anerkennen. Einmal besuchte Abraham seinen Sohn und sagte ihm, nicht ferne vom Brunnen sei ein Ort, der schon zur Zeit Noahs durch besondere Würde ausgezeichnet war. An diesem Orte wolle er ein steinernes Haus bauen, das im