Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 95 (sequence 8)
- Language
- German
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95 schilderung entbehrt nicht tatsächlicher Grundlagen, da der Herrscher nicht immer die Bedrückung der Untertanen durch die Tyrannei und Willkür der Beamten verhindern konnte. Welche soziale Stellung die Juden Persiens unter der religiös vorurteilslosen und toleranten Mongolendynastie einnahmen, wird durch die Tatsache illustriert, daß Arghun, der Großvater Abu Saids, einen jüdischen Arzt zu seinem Vesier machte. Dieser, unter dem ihm von Arghun als Auszeichnung verliehenen Namen Saadel-daulat, d. h. Glück des Reiches, bekannt, führte mit starker Hand die Zügel der Regierung und brachte das L-teuerwesen und die Finanzen des Reiches in Ordnung. Dabei halfen ihm vier Brüder und ein Neffe, denen er hohe Aemter übertragen hatte. Allerdings fand seine Macht nach dem Tode Arghuns (1296), etwa um die Zeit der Geburt Schahins, ein jähes Ende, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß damit auch Judenverfolgungen verbunden waren. Eine andere Erscheinung ähnlicher Art war der vielseitig gelehrte Raschideddin, ein geborener Jude aus Hamadan, der als Staatsmann und gelehrter Schriftsteller sich auszeichnete, aber schon früh Len Islam angenommen hatte, so daß er sogar seine jüdische Herkunft leugnete. Aber diese war allgemein bekannt, und als er im Jahre 1318, also in den Tagen Schahins, in Tebris durch Henkershand starb, wurde sein Kopf in der Stadt umhergetragen und es wurde ausgerufen: Dies ist der Kopf eines Juden, der das Wort Gottes mißbraucht hat! Gestalten wie diese beiden Vesiere, von denen der eine bis zu seinem Ende Jude blieb, sind deshalb von besonderer Bedeutung, well sie Zeugnis ablegen für das Milieu, aus dem sie hervorgegangen. Sie beweisen, daß die Juden Persiens in ihrer Bildung sich nicht von ihrer muhammedanischen Umgebung unterschieden. Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, wie Saad-el-danlat und seine Brüder besaßen die Bedingungen, die in einem Zeitalter von so verfeinerter Kultur zur Bekleidung hoher Würden erforderlich waren. Von Saad-el-daulat