Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
Date
1908-01-01
Page
93 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111088-3114449--2908-3114561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

93 erzählt, beginnt den Abschnitt über Schiras mit einem Hinweis auf die daselbst begrabenen Dichter: Ich küsse ehrfurchtsvoll das Grab des Hafis Und tief ergriffen denke ich Scheich Saadis; Wie Rosenduft erfüllt der teuern Meister, Schahins, Jrnranis Name mir die Seele. Der Epigone huldigt also, bevor er erzählt, was in Schiras geschehen, dem Andenken der Dichter, die dort wirkten und ruhen, und zwar zuerst der zwei, zu den unsterblichen Namen der Weltliteratur gehörenden Dichter von Schiras, Hafis und Saadi, und dann der Beiden, die seinem Herzen näher standen, weil sie seine Meister in jüdisch-persischer Dichtkunst waren: unseres Schahin und dem zweihundert Jahre nach ihm blühenden Jmrani. Im Gedächtnisse der Juden Persiens lebte unser Dichter als Maulana Schahin Schirasi, d. h. unser Meister Schahin aus Schiras. Der dem Namen Vorgesetzte Titel war zu jener Zeit in Persien für sehr angesehene Gelehrte üblich. So wurde der Titel Maulana auch dem Namen des großen mystischen Dichters Dschalaleddin Rumi, der im Jahre 1272 starb, vorgesetzt. Auch die soziale Stellung Schahins wird durch diesen Titel gekennzeichnet. Das ist aber auch alles, was wir über seine Lebensumstände wissen. Weder verraten seine Schriften etwas darüber, noch ist durch Tradition irgend eine Angabe aus uns gekommen. Auch über die Gemeinschaft, der er angehörte, die Juden von Schiras, fehlt jegliche Nachricht. Unser Wissen über sie wird jetzt allerdings durch Schahin und seine Werke bereichert, da diese ein Helles Licht auf die Bildungsstufe und den literarischen Geschmack der Gemeinschaft werfen, aus deren Mitte Schahin hervorging und für die er seine Dichtungen verfaßte. Für mehrere Jahrhunderte findet sich die letzte Nachricht, die wir von der jüdischen Gemeinde in Schiras besitzen, bei Benjamin von Tudela. Dieser Reisende berichtet, daß in Schiras zehntausend Juden wohnten. Wir dürfen annehmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.