Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 91 (sequence 4)
- Language
- German
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91 Wessely hinabgehen, um wieder einem jüdischen Epiker zu begegnen. Dabei ist interessant, daß auch Schahins erstes Werk, gleich der hebräischen Dichtung Wesselys, eine Mosaide war. Beide ließen sich von demselben Gefühle leiten, das einst den jüdischen Dichter Ezekielos von Alexandrien bewog, Moses zum Helden eines griechischen Dramas, der ersten jüdischen Dichtung dieser Art, zu machen. Die erzählenden Dichtungen Schahins sind in Sprache und Redeschmuck, in Versmaß und poetischer Technik durchaus persisch; sie schließen sich eng an Firdusi und die sonstige epische Poesie der Perser an. Aber Schahins Dichtungen sind auch jüdisch, weil er in ihnen für jüdische Leser jüdische Stoffe mit jüdischer Gesinnung dargestellt hat. Zwei Aeußerlichkeiten stempeln außerdem diese Werke zu jüdisch-persischer Poesie und schließen sie von dem Ganzen der persischen Nationalliteratur aus: ihrer Sprache sind, wenn auch nur spärlich, hebräische Wörter beigemengt, und die Schrift, in der sie niedergeschrieben und verbreitet wurden, ist die hebräische. Als Schahin diese Werke schuf, fügte er dem vielsprachigen Reiche des jüdischen Schrifttumes ein neues Gebiet hinzu. Unserer Literaturforschung stellt dies spät entdeckte Gebiet neue Aufgaben; eine dieser Ausgaben habe ich zum Gegenstände der gegenwärtigen Vorlesung gewählt: eine kurze Darstellung von Schahin Schirasis Leben und Werken. Der Name Schahin, der im Persischen Falke bedeutet, klingt wie ein fingierter Dichtername, wie sie in der persischen Literatur nicht selten sind. Aber es ist der wirkliche und allein bekannte Name unseres Dichters. Ein berühmter Feldherr der Sassaniden am Anfänge des siebenten Jahrhunderts hieß Schahin, und auch jüdische Träger des Namens sind aus der gaonäischen Zeit bekannt. Man darf an den bei den Juden Deutschlands bis in unsere Zeit gebräuchlichen Personennamen Falk erinnern. Wie das die Art der persischen Dichter ist.