Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 90 (sequence 3)
- Language
- German
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90 — durch eigene Werke zur Vermehrung dieser Literatur beiträgt. Einer Adler'schen Handschrift und einem jerusalemischen Drucke verdanke ich die Kenntnis von den Dichtungen, für deren Urheber ich Ihre freundliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen will. Er war ein jüngerer Zeitgenosse des letzten großen jüdischen Dichters des Mittelalters, Immanuel aus Rom. Aber sein Name: Schahin aus Schiras, drang nie über die Grenzen des persischen Sprachgebietes an die jüdische Oeffentlichkeit; und auch die persische Literaturgeschichte weiß nichts von diesem jüdischen Poeten, denn seine Werke wurden außerhalb der jüdischen Gemeinschaft nicht gelesen. Diese tragisch zu nennende doppelte Beschränkung seines Dichterruhms tut der Bedeutung Schahins innerhalb des Kreises, für den er feine Werke schuf, keinen Eintrag; denn hier, in der persischen Judenheit, knüpft sich an seinen Namen der Ruhm, der Erste gewesen zu fein, der in persischer Sprache Dichtungen jüdischen Inhalts verfaßte. Schahin ist der erste jüdisch - persische Dichter, und er ist es nicht nur der Zeit, sondern auch der Bedeutung nach. Die außerordentliche Liebe zur Dichtkunst, die seit dem Aufblühen der neupersischen Nationalliteratur eine hervorstechende Eigentümlichkeit des persischen Volkes geworden war, hatte sich auch den unter diesem lebenden und seine Sprache redenden Juden mitgeteilt. Und Schahin war der erste persische Jude, bei dem sich auch dichterische Schaffenskraft in ungewöhnlichem Maße kundgab, und der die Kunst Firdusis zur Darstellung jüdischer Gegenstände und zur Verherrlichung des jüdischen Glaubens und der jüdischen Vorzeit verwendete. Mit seinen auch vermöge ihres Umfanges beachtenswerten erzählenden Dichtungen wurde Schahin der erste jüdische Epiker und ist so auch vom Gesichtspunkte der allgemeinen jüdischen Literaturgeschichte eine merkwürdige Erscheinung. Man muß bis auf Naphtali Hartwig