Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Ein jüdisch-persischer Dichter des vierzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 89 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114449--2904-3114557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
89 War als Umgangssprache und auch als Schulsprache bereits zu tief gewurzelt, als daß es von der Sprache des herrschenden Volkes verdrängt werden konnte. Das Sassanidenreich fiel, der Islam und mit ihm die Sprache des Koran breitete sich mit wunderbarer Schnelligkeit nach Osten und Westen aus; und bei den Juden Vorderasiens wurde das Aramäische durch das Arabische abgelöst. Aber im Geltungsbereiche der Persischen Sprache, das sich seit dem zehnten Jahrhunderte weit über die Grenzen des alten Iran ausdehnte, gab es von altersher viele Juden mit persischer Muttersprache; und heute gibt es persisch redende Juden nicht nur im eigentlichen Persien, sondern auch in Bochara und in anderen jetzt unter russischer Herrschaft befindlichen Gebieten Mittelasiens. Von einer literarischen Tätigkeit der persischen Juden war bis in die neueste Zeit fast gar nichts bekannt. Eine im 16. Jahrhundert in Konstantinopel gedruckte Pentateuchübersetzung war das einzige Denkmal jüdischen Schrifttums in persischer Sprache, das genannt werden konnte. Die letzten zehn Jahre brachten gleichzeitig mit den Offenbarungen der Genisa von Kairo die überraschende Kunde von einer an Alter, Umfang und Inhalt nicht unbeträchtlichen jüdisch-persischen Literatur, die sich handschriftlich unter den persischen Juden erhalten hat. Das Verdienst, der jüdischen Literaturkunde diese ganz neue Provinz zugänglich gemacht zu haben, gebührt in erster Reihe dem gelehrten Bibliophilen Elkan N. Adler in London, der aus wiederholten Reisen in Persien und Mittelasien eine Menge von jüdisch-persischen Handschriften gesammelt hat und dieselben mit selbstloser Bereitwilligkeit dem Interesse des Forschers zur Verfügung stellt. Neben diesem eifrigen Sammler muß auch ein eifriger Herausgeber genannt werden, Simeon Chakham, ein gelehrtes Mitglied der jüdisch -bocharischen Kolonie in Jerusalem, der ebenfalls während des letzten Jahrzehntes verschiedene Erzeugnisse der jüdisch-persischen Literatur für seine Landsleute drucken ließ und der auch