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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 82

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die Religion, ein Naturgesetz der Seele
Date
1908-01-01
Page
82 (sequence 10)
Language
German
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Die Moral hängt nicht in der Luft, ist nicht dem Belieben Einzelner, nicht der Willkür und der Laune und dem Zufall überlasten, sie ist Religion. Zu ihrer Übung bis zur Vollendung der Erziehung der ethischen Menschheit gehört das Bewußtsein eines ethisch-unfehlbaren Vorbildes, eines Ideals der Vollkommenheit; keine „ethische Gesellschaft" ohne Gott. Hier wird dem irrenden Ohnmächtigen, dem Wechsel der Einsicht unterworfenen Menschenverstände klar, daß der Anfang aller Weisheit und Zucht Gottesfurcht ist, d. h. Sündenscheu, Tugend, virtu8. Virtus aber entquill der V18 — d. i. Kraft, des männiglichen (vir) Ueberwindens des Bösen, d. i. vom Guten ablenkenden Strebens in stetem Gedenken des Allsehenden, der uns ins Innerste eine Offenbarung gelegt: „Ich bin Gott!" 4. Die Offenbarung, die das ewige ethische Prinzip stündlich lebendig macht, und die kein Menschengeist zu verleugnen vermag, ist das Gewissen, Kants kategorischer Imperativ, das Sittengesetz, das mit uns geboren wurde. Aus der Natur des Geistes quillt der unversiegbare Born der Religion wie in der Suche nach einem Ideal der Vollkommenheit, so auch in dem Gottesrufe: „Wolle das, was Du sollst"! Ich will, daß Dein Wollen eins sei mit Deinem Sollen in der Tat. Dex spirims rector Deiner Willensäußerungen im Leben Deines Wirkens und Tuns ist der eingeborene Richter, dessen Urteilsspruche sich keiner entzieht, keiner ungestraft entziehen kann, ist der lebendige Gott in der Menschenbrust, das Gewissen, oder das gewisse Wissen von Gut und Böse, Recht und Unrecht. Wohl gibt es eine Her renmoral, die kühl bis an Herz hinan lächelnd sich anmaßt die Herrschaft über die Moral, sie zwingt das Gewissennieder, sie trägt eine Schellenkappe; der laute Ton des kleinen Glockenspiels übertönt gar häufig die stille, schlichte, oft unmelodische Stimme des Gewissens, aber es einschläfern oder für die Dauer verstummen zu lasten, ist noch keinem Menschen gelungen. Die Religion als Tat, als ein praktisches Ueben und

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