Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die Religion, ein Naturgesetz der Seele
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 77 (sequence 5)
- Language
- German
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als ein geistgewaltiger Ueberinensch die Törichten, die an Gott glauben und ihn im Geiste anbeten, und hieße einer dieser auch Goethe, der einst sprach: „Gottes ist der Orient, Gottes auch der Occident, nord- und südliches Gelände ruhn im Frieden seiner Hände". Noch hat kein Mensch auf Erden das Protoplasma oder die Urzelle, aus der sich alles Organische entwickelt haben soll, geschaut oder beim Schaffen belauscht, noch hat keine Naturphilosophie bei allen Versuchen, die Gesetze der Biologie zu erklären, es zu Wege gebracht, ein Menschengemüt zu erheben wie jener Sangmeister aus Israel mit seinem Psalter: „Wenn ich Deinen Himmel sehe, das Werk Deiner Finger, Mond und Sterne, die Du bereitet hast, was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkest! Herr unser Gott, wie mächtig ist Dein Ruhm auf der ganzen Erde." (Pf. 8.) Noch hat kein Meister der Physik und Metaphysik einen Laut geantwortet auf die Frage in Hiob: (38) „Wer hat der Erde Grundstein gelegt, ihr Maß bestimmt und ihre Pfeiler? Wer hat das Meer hinter Türen abgesperrt und seinen Wogen zugerufen: bis hierher und nicht weiter! Wo ist der Weg, der zum Lichte führt, und die Finsternis, wo hat ne ihre Stätte? Hast Du die Speicher des Schnees und Hagels, des Ostwinds Stürme und die Bahn des Blitzes je erspäht? Hat der Regen einen Vater, und des Taues Tropfen, wer hat ihn gezeugt? Vermagst Du der Plejaden Fesseln zu knüpfen oder Orions Bande zu lösen? Kennst Du des Himmels Gesetze oder bestellst Du eine Herrschaft über die Erde?" Es ist ein althebräischer Naturdichter, der hier seit Jahrtausenden ebenso schön wie wahr von dem Urgrund aller Dinge redet und uns offenbart: Erkenne Deinen Schöpfer! Das Naturgesetz des Geistes: „Empor zur Himwelshöhe!" entspricht dem Naturgesetz der Schwerkraft bei der Materie: „Nieder zur Tiefe"! Einfach ist das Naturgesetz, aber wie wenig das Einfache allgemein anerkannt und erstrebt wird, geht daraus hervor, daß der „Schöpfergedanke" und "sein Eindringen in die Welt der fromme Wunsch, das xium