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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 75

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die Religion, ein Naturgesetz der Seele
Date
1908-01-01
Page
75 (sequence 3)
Language
German
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Bücher, woselbst die Genesis des Menschen die ersten Spuren der Religion erraten läßt in den: erhabenen Ausspruch: „Im Ebenbilde Gottes schuf Gott den Menschen". Was will dies anders besagen, als daß jede Seele ein Abbild des Urbildes sei, den Stempel der Gottheit in sich trägt und all jene Beschaffenheit aufweist, deren das Vernunstwesen bedarf, um Gott ähnlich zu werden? Das Naturgesetz der Religion fließt sonach aus der Natur des Geistes selbst. Die alte Psychologie von Plato bis Hegel, und die Einteilung in Seelenvermögen ist seit Kant und der Herbartschen Schule wesentlich verändert worden. Nicht von Vermögen, sondern von Zuständen der Seele ist allgemein die Rede. Denn die Seele ist individuell, d. h. wörtlich: unteilbar. Es gibt keine animalische, vegetative, intellektuelle und begehrende Sonder-Seele in uns, sondern eine einheitliche, und die Hebräer haben diesen Gedanken schon in biblischer Zeit durch das eine Wort gefaßt: Jechida — bie Einzige. (Psalm 22 21 betet David: Rette meine Seele vom Schwerte aus Feindesgewalt jsobidarbi meine Einzige.) Das muß deshalb gesagt werden, daniit bei der Bestimmung der Natur des Geistes nicht etwa der Fehler begangen werde, als ob es sich uin willkürlich entdeckte Seelenakte handelte. Nein, alle Momente, die wir zu berühren haben, fließen innig zusammen, gehen unmittelbar aus einem und demselben Lebensprinzip hervor, obgleich sie uns mannigfaltige Phänomene offenbaren. Fünf Erscheinungen drängen sich uns bei der Betrachtung der Natur des menschlichen Geistes unwillkürlich auf. Sie alle zusammen machen das Wesen der Seele aus. Jedem dieser Phänomene des geistigen „Ich" entspricht und entsprießt ein Hauptpunkt der Religion, eine Grundnorm des religiösen Bewußtseins. 1. In der Natur des Geistes liegt zuerst die Forschung nach dem Zusammenhang des Sichtbaren, die Frage nach dem Grunde der Dinge. Sinnliche Wahrnehmung und denkende Anschauung wurzeln im Gesetz der Kausalität. Jede Wirkung hat ihre

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