Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 67 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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67 daß nichts an ihrn jüdisch sei als der Schauplatz der Vorgänge. Hinter dem Pseudonym Alphonse de Haye soll sich gar ein gelehrter Rabbiner verbergen. Jedenfalls hat sich der Autor bemüht, die sozialen und politischen Zustände möglichst getreu nach den Quellen zu schildern. Er kennt die Zeit, die er uns vorführt, und die Auffassung der leitenden geistigen Kreise. Die Pharisäer und ihre Häupter kommen, wie es in einem moderner: Geschichtsroman sehr selten geschieht, zu ihrem historischem Recht, und man gewinnt einen Einblick in die Bestrebungen und Verhältnisse, welche das damalige Judentum erfüllt haben. In spätere Zeiten führt uns ein trefflicher Roman von Otto Hauser: Spinoza. Eine Parallele zwischen dem Werk Auerbachs und diesem Roman wäre sehr interessant. Man darf aber, wenn man eine solche anstellt, nicht vergessen, daß inzwischen 70 Jahre literarischer Entwickelung vorübergezogen sind. Gehen wir zu modernen Verhältnissen über, so .tritt uns als der bedeutendste Autor Israel Zangwill entgegen. Von ihm sind in diesem Jahre die Ghetto- Tragödien deutsch und die 6-b.ott0-O0iQ66.L68 in englischer Ausgabe erschienen. Zangwill sagt selbst darüber: „Gleichzeitig mit der Veröffentlichung dieser „Ghetto- Komödien" ist eine neue Ausgabe der „Ghetto-Tragödien" mit ihrem ursprünglichen Titel wieder erschienen. Nach herkömmlichen Begriffen unterscheidet sich eine Komödie durch ihren glücklichen Ausgang von einer Tragödie. So könnten Dante's „Hölle und Fegfeuer" auch zu ben Komödien gerechnet werden. Es ist dies eine grobe Auffassung des Unterschieds zwischen Tragödie und Komödie, den ich, besonders bei der letzten dieser sonst anspruchlosen Geschichten, außer Acht zu lassen gewagt habe." In beiden Werken führt uns der Dichter in die Judenviertel Londons und New Jorks, auch Galiziens und Rußlands. Er schildert das dortige Leben treu und wahr, mit Ernst und Humor, immer aber mit einer Objektivität, die ihn um so mehr ziert, weil jeder weiß, daß sein Herz bei jenen Unglücklichen und Leidenden ist,