Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 63 (sequence 39)
- Language
- German
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63 n leister der jüdischen Kanzelberedsamkeit S. Maybaum steht auch im Berichtsjahre mit einem Band Predigten an der Spitze. Ueber seine homiletische Eigenart brauche ich Wohl kein Wort mehr zu verlieren. Sie ist bekannt imd wiederholt geschildert worden. Er hat seine Schüler zu edler Einfachheit, zu einer schönen Form, zu innerer Klarheit erzogen. Alle diese Vorzüge schmücken seine Reden und jeder neue Band von diesen ist eine wahre Bereicherung für unsere homiletische Literatur. Den Forderungen der Modernität entsprechen am meisten die Schrifterklärungen von Emil Cohn: Suchet mich, so lebet ihr, und die neue Folge der Predigten von F. Coblenz. Die Forderung, daß der Kanzelredner seiner Zeit gerecht werden müsse, wird von beiden durchaus erfüllt. Es unterliegt auch gar keinem Zweifel, daß diese Predigten zum Nachdenken angeregt und eine tiefe. Wirkung auf die Zuhörer hervorgebracht haben müssen. Außer vielen Einzelpredigten sind in diesem Zusammenhänge airch noch zu erwähnen die Grab- und Gedenkreden von I. Taglicht, an denen man die in Wien maßgebende homiletische Richtung erkennen kann, ferner die Predigten von S. Carlebach: An Horebs Höhen, die englischen Reden von M. Joseph und S. Levy. Nur durch die Erfüllung der Forderungen, die eben kurz wiederholt, kann die Predigt wirklich ein intregierender Teil des Gottesdienstes werden, was sie ja von jeher im Judentum gewesen ist. Zur Geschichte dieses Gottesdienstes haben wir sehr eindringende Studien von I. Elbogen erhalten. Die Liturgik und deren Geschichte ist nach Zunz' Auftreten nur zu sehr vernachlässigt worden. Elbogen gibt uns ein Beispiel für die literarhistorische Behandlung einer wichtigen Einzelfrage aus dem Gebiete der synagogalen Poesie in seiner Studie über den Kultus des Versöhnungstages. Die Wahl des Themas bedarf umsoweniger einer Rechtfertigung, weil die Abodah, um die es sich hier