Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 64 (sequence 40)
- Language
- German
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64 handelt, den Zentralpunkt des Gottesdienstes arn bedeutendsten Feste des Jahres betrifft, der von den Dichtern mit ganz besonderer Vorliebe bearbeitet wurde. Wichtige Funde aus der Genizah in Kairo setzten den Forscher in die Lage, durch Mitteilung einer großen Anzahl bisher unbekannter Abodahs die Kenntnisse des Gegenstandes wesentlich zu bereichern. Auch seine Untersuchungen über die Hauptstücke des täglichen Morgengebets, über das Schema und die Tefillah, sind sehr wertvoll und erwecken große Erwartung für die zu bearbeitende Geschichte der Liturgik. Ueber die Quellen der Gebete, deren Uebertrager und die Zeit ihrer Abfassung und Ordnung hat auch Coma Baruch vortreffliche Quellenstudien angestellt. Ueber synagogale Gebräuche der alten israelitischen Gemeinde zu Würzburg hat N. Bamberger eingehende Untersuchungen veröffentlicht. Von den Gebetbüchern selbst erlebt für Deutschland der alte Rödelheimer Siddur immer noch die meisten Auflagen; neu und sehr praktisch sind die von I. Bleichrode und von I. B. Levy. Ein Buch, das durch seine Ausstattung sowohl beim Gottesdienst wie beim Unterricht gut zu gebrauchen ist, ein vorzügliches Gebet- und Andachtsbuch für'jüdische Frauen und Mädchen (Beruria) verdanken wir Max Grunwald. Es ist Wohl geeignet, die alte Techinah zu ersetzen und es wird nicht blos Heimatrecht an jene Türen sich erbitten dürfen, von denen die Sprache der Psalmisten trauernd sich fortgewiesen sieht und die nun dem lauernden Gespenst des Abfalls vom alten Väterglauben offen stehen. Dieses Buch erweitert den Rahmen der alten Andachtsbücher der Frauen im Geiste der Zeit in sehr geschickter Weise. Es führt die andächtige Schar der Beterinnen zunächst durch das synagogale Jahr, dann durch den Kreislauf des Menschenlebens. Eine sehr wertvolle Beigabe ist das Schlußkapitel. Es enthält Stimmen der Warnung vom treulosen Uebergang in fremdes Lager, zumeist in diesem Lager selbst gesammelt. Was einer glücklicheren Vorzeit fern lag, rechtfertigt ein trauriges Bedürfnis unserer Tage. Shakespeare und Goethe, Ibsen und