Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 56 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114447--2869-3114524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
56 größeren oder zusammenfass enden Arbeiten nicht zu berichten. Unsere jungen Literarhistoriker begnügen sich damit, Materialiensammler oder Arbeiter zu heißen, teils weil diese verhältnismäßig leichte Aufgabe dem Maß ihrer Kräfte am angemessensten ist, teils aber, weil es ihnen überharrpt nicht möglich zu sein scheint, ehe die notwendigen Vorarbeiten vorhanden sind, an eine zusammenhängende Darstellung sich heran zu wagen. Rapaport, Zunz und Luzzato, ja auch Moritz Steinschneider haben über die Sache anders gedacht. Dafür kommt ihnen auch der Ehrenname wirklicher Historiker zu. Man darf aber heute von jüdischer Literaturgeschichte überharrpt nicht sprechen, ohne der großen und schweren Verluste zu gedenken, die das abgelaufene Jahr uns zugefügt hat, indem es uns Männer wie Moritz Steinschneider, Adolf Neubauer und Salomon Buber entrissen hat. Moritz Steinschneider war unzweifelhaft der weitaus hervorragendste von den Dreien. Von einer so hohen Bedeutung war Neubauer nicht, aber auch das, was er geschaffen, ist von bleibendem Wert. An dem zuletzt erschienenen zweiten Band des großen Katalogs der hebräischen Manuskripte in der Bodleiana hat wohl A. E. Cowley den Löwenanteil. Dieser zweite Band ist dadurch von besonderer Wichtigkeit, weil er zum ersten Mal die Schätze der Genizah in Kairo katalogisiert. 166 dieser Fragmente sind darin ausführlich beschrieben und gewähren uns einen Einblick in die Schätze, deren völlige Entzifferung noch aussteht. Bekanntlich sind bisher 2675 Manuskripte in der Schatzkammer der alten Synagoge zu Kairo gefunden worden und die Reihe ist damit, wie es scheint, noch lange nicht abgeschlossen. Wie geringfügig nehmen sich dem gegenüber die hebräischen Handschriftenschätze deutscher Bibliotheken aus. Erst vor kurzem hat K. Völlers über die hebräischen Handschriften der Leipziger Universitätsbibliothek in seinem Katalog der orientalischen Handschriften berichtet. Dieser Katalog zeigt, nebenbei bemerkt, wieder einmal so recht deutlich, was man der jüdischen Wissenschaft gegenüber heute noch wagen darf. Man lese nur die vernichtende