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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1908-01-01
Page
55 (sequence 31)
Language
German
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55 gestorben, die jüngeren in die Stadt gezogen, kein Totengräber ist da, den Gottesacker zu pflegen und zu hüten; eines Tages werden die christlichen Bewohner von Schwandors durch krächzende den Judenfriedhof urnkreisende Raben aufmerksam; sie steigen aus einer Leiter in den Friedhof und finden, das Gesicht in die Erde gedrückt, eine halbverweste Leiche. Ein Abtrünniger, der lange in der Fremde verschollen war, ist vom Heimweh zum Grabe seiner Eltern getrieben worden. Da die Tür verschlossen war, muß auch er sich über die Mauer geschwungen haben; auf der letzten Ruhestätte der Vorfahren suchte und erwartete er den Tod. Schon diese eine Episode läßt das tiefe Bedauern darüber zurück, daß es Auerbach nicht mehr gelungen ist, seine Jugenderinnerungen zusammenzufassen. In ein ganz anderes, aber nicht weniger interessantes Milieu werden wir durch die Lebenserinnerungen von Hermann Vambery geleitet, der aus einer ungarischen Talmudschule hervorgeht, jahrzehntelang als Muselmann mitten unter den Türken und Arabern lebt und am Abend seines Lebens zu den Erinnerungen seiner Jugend wieder zurückkehrt. In der Tat ein Lebensschicksal von so überragendem Interesse, wie man es nur selten findet. Autobiographische Aufzeichnungen hat I. Fromer in seiner Schrift: Vom Ghetto zur modernen Kultur geboten. Es ist kein erfreuliches Milieu, in das er uns Einblick gewährt. Wie wohltuend sticht davon ab, was Julius Rodenberg in seinen Kindheitserinnerungen vom Elternhaus und Heimatsgemeinde zu erzählen weiß! Es ist das eines der liebenswürdigsten Bücher, das wir seit langer Zeit gelesen haben. Das Lebensbild eines edlen, gelehrten und frommen Rabbiners unserer Zeit führen uns die Gedenkblätter an Bernhard Ziemlich vor, dem die jüdische Literaturforschung ja auch so manche wertvolle Gabe verdankt. Wir kommen nun zur Literaturgeschichte im allgemeinen. Leider haben wir in diesem Fache von

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