Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 50 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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50 jüdische Katakomben gefunden, über dieMarucchi einen ausführlichen Bericht erstattet hat. Die Katakombe befindet sich, soweit die Ausgrabungen bis jetzt feststellen lassen, im Zustande heillosen Verfalls, so daß nichts anderes übrig blieb, als wenigstens die Grabplatten mit Inschriften zu sammeln, die demnächst dem Museum des Lateran einverleibt und in einer besonderen Abteilung eingemauert werden sollen. Die weitaus meisten Inschriften sind, (wie dies auch in den anderen bisher aufgedeckten jüdischen Katakomben der Fall ist) in griechischer Sprache abgefaßt; ihren jüdischen Charakter offenbaren nur Symbole wie der siebenarmige Leuchter, Schofar, Lulaw und Ethrog etc.; auf einigen werden auch die geistigen und weltlichen Aemter erwähnt, die der Verstorbene in der Gemeinde bekleidet hatte; beachtenswert ist eine lateinische, metrische Inschrift. Früher als auf das 4. Jahrhundert nach Chr. ist keiner der Funde zurückzudatieren. Es ist jedoch anzunehmen, daß die noch unerforschten Teile der Katakombe in weit frühere Zeit zurückreichen, da eine jüdische Kolonie in Trastevere schon vor, jedenfalls seit der Einnahme Jerusalems durch Pompejus (63 v. Chr.) bestanden hat. Dieser ältere Teil der Katakombe muß noch ausgesucht und erforscht werden. In dem zitierten Bericht wird geklagt, daß die reichen römischen Juden zu den Kosten dieser Ausgrabungen nichts beitragen wollen; wenn sie jetzt fortgesetzt werden, so ist dies in erster Reihe der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" zu danken, welche durch Bewilligung eines ansehnlichen Betrages den Berliner christlichen Archäologen Professor Nikolaus Müller in den Stand gesetzt hat, weitere Ausgrabungen vorzunehmen. lieber den Ozean führen uns S. Glazer mit seiner Schrift über die Juden von Iowa und Victor Harris mit einer solchen über die von Mexiko. Wir kommen nun zur neuen Zeit. Hier haben wir erfreulicher Weise über sehr wertvolle Arbeiten zu berichten. An der Spitze steht das Werk eines Meisters der historischen Forschung, der erste Band der neuesten Geschichte des jüdischen Volkes von Martin Philippson.