Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 48 (sequence 24)
- Language
- German
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48 Reformation im Verhältnis zu ihnen, die Geschichte der Emanzipation und der Rückwärtsbewegung, all dies ist ausführlich und von der hohen Warte des Geschichtsschreibers aus groß und anschaulich dargestellt. Die messianische Hoffnung, so meint auch Abott, war der feste Grund, von dem aus Israel zu allen Zeiten die Entwickelung der Menschheit betrachtete. Auch I. H. Greenstone in seinem Buche über die messianische Idee in der jüdischen Geschichte kommt ungefähr zu demselben Resultat, das M. Rabinson durch seine Studie über den Messianismus im Talmud und Midrasch noch bekräftigt. Ihren tiefsten Ausdruck finden diese Hoffnungen in der Synagoge, in der sich das Judentum zu jener idealen Gottesverehrung der Propheten emporgeschwungen, auf der der beste Altar das Menschenherz, der wahre Priester die betende Seele und das gottgefälligste Opfer die aufrichtige Andacht ist. Schon Renan hat mit seinem scharfen Geiste erkannt, daß die Synagoge die originellste und tiefste Schöpfung des jüdischen Volkes sei. Ueber den Ursprung derselben und ihre allmähliche Entwickelung verdanken wir M. Rosenmann eine historisch-kritische Studie von Wert. Ein interessantes Dokument, allerdings erst um ein Jahrtausend später abgesaßt, berichtet uns über die Schicksale einer der ältesten dieser Synagogen, nämlich der in Kairo; Richard Gottheil hat es gefunden und publiziert. Die soziale Lage der Juden im Mittelalter erörtern drei tüchtige Arbeiten, die von I. Schipper über die Anfänge des Kapitalismus bei den abendländischen Juden im frühen Mittelalter, die von A. Süßmann über die Judenschuldentilgung unter König Wenzel und die von M. Levy: Ein Kapitel Wormser Finanzgeschichte. Mit den Schicksalen der Sephardim hat man sich bekanntlich in neuerer Zeit viel beschäftigt. Unter den Auspicien der königlichen Akademie zu Madrid hat der frühere spanische Botschafter am Wiener Hof Marquis Jsidoro de Hoyos ein vornehm ausgestattetes Werk über die spanischen Juden in dem österreichischen Kaiserstaat und auf dem Balkan herausgegeben. Mit derselben Frage