Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 46 (sequence 22)
- Language
- German
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46 In bem ersten Kapitel spricht er sich freimütig darüber aus, wie er die Aufgabe gefaßt und wie er sie durchzuführen beabsichtige. Seine Aufgabe ist die einer systematischen Darstellung der Grundlehren des Judentums auf der Basis einer modernen philosophischen Weltanschauung. Neumarks Auffassung steht oft im Gegensatz zu der bisher üblichen, dadurch wird sein Werk manchen Widerspruch Hervorrufen. Das Verdienst aber, ein Werk in Angriff genommen zu haben, um das man sich bisher scheu herumgedrückt, weil man die Vorarbeiten nicht für ausreichend hielt, wird Niemand dem gelehrten Autor absprechen dürfen. Es ist in der Tat hoch anzuschlagen. Die Kritik seiner Auffassung und Darstellung bleibt den Kennern vom Fach überladen. Mit der Geschichte der Philosophie gelangen wir zur Philosophie der Geschichte. S. Dubnow, der eigentlich nach A. Darmesteter den ersten Versuch gemacht, die jüdische Geschichte von einem philosophischen Standpunkte aus zu erfassen, ist bisher leider auf diesem Gebiete vereinsamt geblieben. Es fehlt nicht an Einsicht und an Kenntniffen, aber das Vertrauen auf diese Einsicht, der Mut, sie lebendig wirken zu lassen, und die Kraft, die Kenntnisfe einer einheitlichen Schöpfung zu vereinigen, fehlt uns fast allgemein. Nur selten findet man große Gesichts- und Anhaltspunkte für die Beurteilung des Geistes der Geschichte. Aber schon Gervinus hat seiner Zeit sehr treffend bemerkt: „Sollen aus der Geschichte Gesetze abgeleitet werden, so dürfen sie nur aus dem Allbekannten, dem Angenommenen und Unwidersprechlichen hervorgehen." Darin liegt vielleicht eine Rechtfertigung für die, die die geschichtlichen Hergänge selbst in möglichst klarer Uebersicht zuerst und authentisch feststellen wollen. Das Kampfwort des Systems mag dann später folgen. Von größeren Geschichtswerken ist zunächst die Arbeit von W. Jawitz über die Geschichte Israels nach den Urquellen lobend zu erwähnen. Von diesem Geschichtswerk ist der sechste Band, der von dem Untergang des