Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 45 (sequence 21)
- Language
- German
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— 45 Unternehmen ist deshalb die religionswissenschaftlicheVolksbibliothek des Judentums von I. Goldschmidt, von der bisher zwei Hefte erschienen sind: Das Judentum in der Religionsgeschichte der Menschheit und: Das Wesen des Judentums. Mit Recht hebt der geistvolle Autor der beiden Schriften hervor, daß uns vor allem eine Prinzipienlehre der Religionsgeschichte fehle. Diesem Mangel sucht er durch seine erste Schrift abzuhelfen. Allerdings gesteht er dabei selbst ein, daß sie nur der Beitrag zu einem Anfang für den Ausbau dieser Wissenschaft sei. Was Goldschmidt für die Vergangenheit, das suchten I. Wohlgemuth in seiner Schrift über die entwickelungstheoretischen Vorträge des Jesuitenpaters Wasmann und A. Marcus in seinem geistvollen Vortrage über die Entwickelungstheorie für die Gegenwart an sich nutzbar zu machen. Die Vorträge von N. S. Joseph: Religion Natural and Revealed, die Schriften von Lily H. Montague: Tiie Relation of Jewish Raits tho Conduct in Jewish Life, von I. S. Raisin: Sect, Creed andCustom in Judaism, desselben Autors populäre Abhandlung: Judaism, von Laurie Magnus: Religio Laiei zeigen uns, wie ernsthaft unsere Glaubensgenossen jenseits des Kanals und desOzecms die schwerenProblemederReligionsgeschichte erfassen. In geistvollen und tiefsinnigen Aphorismen — die ja jetzt so beliebt sind — verstehen es E. Kalischer und Martin Meyer Wesen und Eigenart des Judentums und seine Bekenner darzustellen. Dem Mangel einer wissenschaftlichen und zusammenfafsenden Darstellung des Inhalts der jüdischen Religionsphilosophie bemüht sich David Neumark in seiner Geschichte der jüdischen Philosophie des Mittelalters abzuhelfen, deren erster Band die Grundprinzipien enthält. Das Werk ist in jedem Fall eine der wichtigsten Erscheinungen des Jahres. Neumark hat einen andern Weg eingeschlagen als die meisten Historiker der Philosophie. Er behandelt die Geschichtsentwickelung nach Problemen. Der erste Band erörtert die Grundprinzipien; er zerfällt in zwei Bücher, von denen das erste die Einleitung, das zweite Materie und Form eingehend erörtert.