Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 36 (sequence 12)
- Language
- German
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36 nicht mehr das Aufsehen erregt, das seine früheren Publikationen hervorriefen. Die Zugeständnisse, die er der Geschichtsschreibung des alten Testaments macht, sind jedoch sehr wertvoll, und ebenso wertvoll ist es für uns, daß Delitzsch gegenüber seinen Angriffen auf die mittelalterliche Kirche, die den Hexenwahn begünstigt und gefördert hat, ausdrücklich hervorhebt, daß die alttestamentliche Religion von dieser Krankheit Babylons ausdrücklich verschont geblieben ist. In letzter Zeit ist Delitzsch noch weiter gegangen. Er hat über die Weiterbildung der Religion gesprochen. Auch hier hat er seine alten, längst widerlegten Ansichten aufgestellt, aber er erkennt doch auch hier an, daß das spätere Judentum sich ebenso gut wie das Christentum fortentwickelt habe. Das Bild, das er dabei gebraucht, daß heute selbst die frommen Juden bei Hautausschlag nicht mehr den Mann vom Hause Aron, sondern einen Arzt befragen und bei Hausschwämmen statt des Priesters den Baumeister holen, ist freilich ein ganz schiefes und mehr auf den augenblicklichen Effekt als auf wirkliche Belehrung berechnetes. Wenn er aber dann weiter sagt: „Gewiß sind die Tugenden der Sanftmut, Friedfertigkeit, Herzensreinheit, Pflichttreue und obenan Nächstenliebe auch von israelitischen Weisen vor und nach Jesus und, darf man hinzufügen, auch von babylonischen, griechischen und anderen Weisen, gepredigt worden, so wie in Jesu Bergpredigt und Bildreden wird aber niemals wieder der Menschheit die Fülle ihrer sittlichreligiösen Pflichten vor Augen gehalten werden", so wissen unsere Leser schon aus den im Vorjahre mitgetellten Parallelen, was sie davon zu halten und im gegebenen Falle daraus zu antworten haben. In sehr klarer und zusammenfassender Weise hat Max Jacobi in einer Schrift über vergleichende Religionsgeschichte und alttestamentarischen Unterricht die wirklichen Ergebnisse der neu babylonisch-assyrischen Forschungen und deren Beziehungen zum Judentum erörtert. Dagegen hat der Engländer Orr in seinem Buche: Illo Problem oft the old Testament, das einen so hohen Preis, wie er nur selten für derartige Werke ausgesetzt