Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 35 (sequence 11)
- Language
- German
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35 grabungen unb die glänzenden Fortschritte der Keilschriftkunde noch so wertvolle Resultate liefern, so wird diese Wissenschaft doch nie ihre hohe Bedeutung einbüßen. Höchstens wird sie rnit der Zeit eine andere Methode und Richtung annehmen müssen. Die religionsgeschichtlichen Untersuchungen sind bisher entweder zu allgenrein und 311 theoretisch, oder zu speziell und zu Philologisch geführt worden. Man kann billiger Weise verlangen, daß die heiligen Urkunden nach der ihnen innewohnenden Bedeutung und nicht bloß nach ihrem äußeren Zusammenhang mit früheren oder gleichzeitigen Geistesprodukten der anderen Richtungen beurteilt werden, wenn auch die Ausgrabungen und Entdeckungen zu solchem Parallelismus oft nur zu sehr verleiten möchten. Wer sich davon überzeugen will, der lese die Schriften von D. Voelter: Aegypten und die Bibel, imd von E. Go yd et: La civilisation Pharaonique, von I. Haltenhoff: Die Wiffenfchaft vom alten Orient iit ihrem Verhältnis zu Bibel, Wissenschaft und Offenbarungsglaube, von W. Lotz: Die biblische Urgeschichte in ihrem Verhältnis zu den Urzeitsagen anderer Völker, von Th. Engert: Die Urzeit der Bibel u. a. m. Auch P. Jansen hat in seiner interessanten Schrift über das Gilgamesch-Epos in der Weltliteratur die Ursprünge der alttestamentlichen Patriarchen-, Propheten- und Befreier-Erzählungen, sowie der nentestamentlichen Geschichten entdeckt zu haben geglaubt. Dagegen ist M. Jastrow, dessen großes Werk über die Religionen in Assyrien und Babylonien in deutscher Uebertragung nunmehr zum Abschluß gelangt ist, in seinen Forschungen vorsichtiger, obwohl auch er es nicht an gewagten Konjunkturen fehlen läßt. Hierher gehört auch die Publikation über kananäische Inschriften, die der bekannte Forscher auf dem Gebiete der altsemitischen Texte M. Lidzbarski erscheinen ließ. Auch Prof. Friedrich Delitzsch hat sich wieder eingestellt. Er verlegt sich jetzt mehr auf Popularität als auf streng wissenschaftliche Forschung. Sein Vortrag: Mehr Licht über die bedeutensten Ergebnisse der babylonisch-assyrischen Grabungell für Geschichte, Kultur und Religion hat aber doch lange