Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 33 (sequence 9)
- Language
- German
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33 Gut im Aramäischen abgefaßt sind, da in der ganzen westlichen Hälfte des persischen Reiches das Aramäische damals die offizielle Sprache war. Das meiste Interesse beanspruchen nach ihm jene Texte durch die aus ihnen hervorgehenden Mitteilungen zur Kultur- und Religionsgeschichte des Judentums. Was aber Clermont-Ganneau die Hauptsache ist, der sogenannte Tempel, das beurteilt Poznanski in sehr vorsichtiger Weise, wie dies ein echter Forscher tun muß. Das Haus des Mannes, von dem in diesen Urkunden die Rede ist, hatte zur Grenze unter anderen auch eine Agura. Mit diesem Wort aber übersetzt das jerusalemischeTargum(Gen. 31,46) das hebräische Gral Steinhaufen, später Altar. Es fragt sich also, was man unter Agura in jenen Papyrus verstehen soll, einen Altar oder ein Heiligtum? Und Poznanski empfiehlt mit Recht, düs Erstere anzunehmen, weil es der Bedeutung des Wortes mehr entspricht und weil auch der Onias- Tempel, der zur Analogie herangezogen wird, mehr ein Altar als ein eigentliches Heiligtum gewesen ist. Gerade in Aegypten scheint man es mit der Errichtung solcher Altäre leicht genommen zu haben. Das klingt doch ganz anders, wie die Mitteilungen Clermont-Ganneaus, der mit seiner französischen Phantasie schon die Ausgrabung einer neuen oder vielmehr alten Bibel „mit viel Wahrscheinlichkeit", verheißen zu dürfen glaubt. Damit soll natürlich die ungewöhnlich große Bedeutung dieser Urkunden, die in unerwarteter Weise Licht verbreiten über ein bisher noch völlig dunkles Gebiet der jüdischen Geschichte, nicht im entferntesten verringert werden. Eine Anzahl weiterer aramäischer Papyri und mit Inschriften in derselben Sprache beschriebener Tonscherben, darunter „Erzählungen und Dichtungen" harrt noch der Entzifferung und Veröffentlichung. Man darf hoffen, daß durch sie manche der neu entstandenen Probleme gelöst werden. Aber nicht bloß in Aegypten sprechen die Steine, wenn Menschenstimmen schweigen, sondern auch auf dem alten Boden Palästinas hat man Entdeckungen von hohem Wert gemacht. Professor Dr. Ernst Sellin hat einen Teil des ältesten kanaanitischen Jericho ausgegraben.