Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 29 (sequence 5)
- Language
- German
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29 ständnis dafür beibringen, welche Bedeutung diese Wissenschaft habe. Wir glauben, daß im Gegenteil noch viel zu wenig für die Popularisierung der Wissenschaft des Judentums geschehe und daß gerade auf diesem Gebiete sehr viel zu leisten sei. Die Literaturvereine haben ja in der Beziehung ohne jeden Zweifel segensreich gewirkt. Ein reicher Quell der Belehrung floß aus diesen Bestrebungen, und das jüdische Wissen fand durch diesen Kanal, der zu Jedermann drang, den Weg zu den Herzen und Köpfen der deutschen Juden. Eine solche Bewegung, die seit zwanzig Jahren die deutsche Judenheit von einem Ende des Reiches bis zum anderen erfüllt, darf in ihren Motiven nicht unterschätzt werden. Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, daß naturgemäß eine solche Bewegung mit der Zeit auch abflauen muß. Sie kann sich nicht immer auf der Höhe des Enthusiasmus halten, mit dem sie eingesetzt hat. Es müssen aber Mittel und Wege gesunden werden, um den Strom der Begeisterung in ein ruhiges und gleichmäßiges Bett zu leiten. Wenn sich eine gewisse Ermüdung in manchen Vereinen bemerkbar macht, so ist das im letzten Grunde erklärlich, da sich die ganze Arbeit ja doch eigentlich nur auf einem bestimmten Gebiete bewegt. Ein wohlwollender Beurteiler der Verhältnisse hat den Vorschlag gemacht, dieser: Arbeitskreis zu erweitern. Dagegen wäre an und für sich nichts einzuwenden, wenn nicht die Gefahr vorläge, daß man schließlich das Ziel ganz aus den Augen verlieren könnte. Das Wichtigste für die Neubelebung des Interesses an den Literaturvereinen wäre aber nach meiner Meinung auch hier die Durchführung einer gewissen Systematik und Methodik. Statt der Einzelvorträge, die auch nur meist eine Richtung und zwar auf das Historische einschlagen, sollte eine systematische Belehrung über einzelne Disziplinen eintreten, regelmäßige Kurse über bestimmte Geschichts- oder Literaturperioden, über Ethik oder Religionsphilosophie, über Apologetik, über die Bibel vor allem, über Talmud und Midrasch sollten den Hörern