Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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BO ein zusammenhängendes Bild von der Entstehung und Entwickelung der einzelnen Zweige der Wissenschaft des Judentums darbieten. Dabei würde sich vielleicht der Zuhörerkreis verringern; die aber blieben, würden sich ein bestimmtes positives Wissen aneignen. Für die Massen, die dieser Form der Belehrung nicht zugänglich, könnten ja die einzelnen Vorträge immerhin bestehen bleiben. Denn auch aus diesen wird, wenn nur das richtige Thema gewählt und in geschickter Weise behandelt wird, viel Wissenswertes und Nützliches zu lernen sein. Man kann, wenn man das Bild eines Tannaiten lebensvoll hinstellt, wenn man eine Geschichtsperiode anschaulich schildert, oft besser und nachhaltiger wirken als durch die Abfassung eines dicken Buches mit allerlei verwirrendem Zitatenkram, mit Zetteln, Notizen und Auszügen. Die Hauptsache ist und bleibt für uns, daß durch die verschiedenartigen Vorträge das Judentum und seine Geschichte nicht als ein zufällig und sinnlos zusammengehäuftes Aggregat vor Erscheinungen, sondern als eine Einheit sich darstellt, und zwar als eine notwendige Einheit, aus welcher auch die einzelnen Teile, Gestalten und Erscheinungen als Notwendigkeit begriffen oder verstanden werden. Dieser innere Zusammenhang darf niemals verloren gehen. Dann wird auch das Interesse für tiefere Probleme erwachen, dann wird das Verständnis für die höchsten Ziele der Wissenschaft immer weitere Kreise erfassen, dann wird man immer mehr begreifen, daß ihr oberstes Gesetz die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist. Der Weg zu diesem Ziele ist allerdings noch ein weiter, aber darum darf dieses doch nicht aus den Augen gelassen werden, umsoweniger in einer Zeit, in der die Wiffenschaft selbst sich vielfach zur Magd politischer, religiöser und gesellschaftlicher Jnterefsen herabwürdigt. Man könnte, wenn man streng urteilt, gewissen Richtungen der evangelischen Theologie in Bezug aus die Tendenz noch viel herbere Vorwürfe machen, als Jacob sie gegen den modernen Betrieb der jüdischen Wissenschaft erhebt; und was die Verständnislosigkeit des jüdischen Publikums anbelangt, so steht das unsrige hinsichtlich des Wissens