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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 27

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1908-01-01
Page
27 (sequence 3)
Language
German
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kaum noch eine jüdische Bibelforschung und auch die Talmudsorschung hat nur noch wenig vollgültige Vertreter. Daß die Geschichtsforschung nach Graetz keine Nachfolge gefunden, daß der Hellenismus aus dem Betriebe der jüdischen Wissenschaft so gut wie ausgeschaltet sei, daß in allen unseren Schöpfungen der große Zug, die Weite des Blicks, die imponierende geistige Kraft fehlten, das können wir nicht unterschreiben. Es geht auch viel zu weit. Tatsächlich nähern sich die Arbeiten der Gegenwart doch immer mehr den Forderungen, die die Wissenschaft heute stellt, ja verschiedene entsprechen diesen bereits nach jeder Richtung. Was uns fehlt, das sind vor allem die Arbeiter. Jeder weiß, und wir haben an dieser Stelle oft darüber gesprochen, woran das liegt. Die Rabbiner sind zugleich die Professoren, hat auf der denkwürdigen Frankfurter Tagung des Verbandes der deutschen Juden Professor Hermann Cohen sehr treffend gesagt. Diese aber sind durch ihr Amt in den Hauptstädten so in Anspruch genommen, daß sie nur sehr selten zur wissenschaftlichen Arbeit überhaupt gelangen, und in den kleinen Gemeinden haben sie als Religionslehrer oft noch mehr zu leisten. Außerdem fehlt es ihnen dort an den nötiger: wissenschaftlichen Hilfsmitteln. Die Werngen Dozerrten an den Seminarien und Lehranstalten könrrerr die Wissenschaft des Judentums nicht allein erhalten. Verfügten wir nur über eine genügende Zahl tüchtiger und kenntnisreicher Arbeiter, so würden die anderen Mängel bald beseitigt sein, die doch wirklich, wie Jacob richtig hervorhebt, im Grunde rrur die weitere Entwickelung ursprüngliche Anlagen sind. Die Wissenschaft des Judentums war im vorigen Jahrhundert vorwiegend historisch und zwar literarhistorisch, sie muß jetzt zusammenfassend, systematisch und methodisch werden. So wird sie ein besseres Bild bieten. Dann wird der niederdrückende Eindruck verschwinden, den strenge Beurteiler heute noch haben. Daß dann natürlich auch unsere Wissenschaft jeden Zug des Tendenziösen vermeiden muß, versteht sich von selbst. Aber auch dieser Zug hängt eng mit den Verhält-

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