Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1908-01-01
Page
26 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111088-3114447--2839-3114494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

26 der Weg nicht mehr weit bis zu der Anerkennung der Arbeiten und Arbeiter aus jüdischen Kreisen, die sich um die Aufhellung wichtiger Perioden oder die Beantwortung schwieriger Fragen manches Verdienst erworben haben. Von der Zeit Wellhausens und Harnacks bis zu der, in der eine evangelischtheologische Fakultät einer jüdischtheologischen zugesteht, daß die Arbeiten auf dern Gebiete der Wissenschaft des Judentums für die evangelische Theologie von großer Bedeutung seien, ist ein weiter Weg. Wir haben auf diesem Wege viel erlebt, erfahren und erlitten. Aber das soll alles vergessen sein, wenn erst wirklich einmal die Periode unbefangener objektiver Anerkennung und Verständigung anbricht, wenn die christliche Theologie in der Tat anfängt, zur Primärquelle hinabzusteigen, aus der sie Belehrung in Hülle und Fülle schöpfen könnte, wenn sie ernstlich sich mit dem Studium des Talmuds und der älteren rabbinischen Literatur zu beschäftigen gedenkt, für welches Studium es ja doch seit geraumer Zeit nicht mehr an allen Hilfsmitteln fehlt. Was unsere Pflicht ist, wissen wir. In dem Maße, in welchem man sich auf der anderen Seite mit unserer Literatur eingehend zu beschäftigen anfängt, erwächst für uns die heilige Pflicht, die systematische und methodische Bearbeitung des talmudischen Schrifttums nun endlich in Angriff zu nehmen. Der Mahnruf, den Dr. B. Jacob auf der Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland an gelehrte Kreise richtete, darf nicht ungehört verhallen. Wenn wir auch dem Redner nicht in allem zusammen, was er über die Wissenschaft des Judentums in ihrem gegenwärtigen Betriebe gesagt hat, so müssen wir doch zugestehen, daß er in vielem Recht behalten hat. Das Bild, das wir von der modernen Wissenschaft des Judentums empfangen, ist ein unvollkommenes und kann in der Tat leider noch mit keiner anderen Wissenschaft den Vergleich aushalten. Wenn es auch nicht an Erkenntnis der Aufgaben fehlt, wie Jacob meint, ja vielleicht nicht einmal an dem Mut und der Ausdauer, sie anzugreifen und durchzuführen, so mangelt es doch tatsächlich an Kritik und strenger Schulung. So gibt es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.