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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 12

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Rückblick auf das Jahr 5667
Date
1908-01-01
Page
12 (sequence 8)
Language
German
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12 Es ist aber für das französische Judentum um so schwerer, sich in diese von Grund aus veränderte Lage der Dinge zu finden, als dort kein Zwang auf die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinde geübt wird, keine gesetzliche Beitragspflicht zu einer solchen vorhanden ist. Die weitere Existenz der jüdischen Gemeinschaft wird also ausschließlich auf Freiwilligkeit beruhen. Aber die Leiter der französischen Judenheit gingen frisch ans Werk. In Gemäßheit der Beschlüsse einer am 11. November 1906 tagenden Versammlung von Delegierten aus allen Teilen Frankreichs bildeten die bisherigen Gemeinden im Sinne des neuen Gesetzes „Religionsvereine", an Zahl 62. Ihnen wurden vom Staate die Synagogen und sonstigen Vermögensbestände der betreffenden ehemaligen Gemeinden übertragen. Die Religionsverbände sollen sich zu einer Zentral-Union der Jude): Frankreichs — einem Ersätze für das bisherige Zentralkonsistorium — vereinigen. Dieser Gemeindenvereinigung soll, nach den Beschlüssen einer Rabbinerversamnllung vom Juni 1907, ein Rabbinerverband von Frankreich und Algier zur Seite treten. Diese Versammlung faßte auch höchst bemerkenswerte Beschlüsse, die Eheformalitäten betreffend: Get und Chalizah wurden für fakultativ erklärt. Ebenso wurde das Fahren auf elektrischenStraßenbahneninnerhalb derStadt anSabbaten und Festtagen zum Besuche der Gotteshäuser gestattet. Weiteren Reformen hat sich die Rabbinerwie die Delegiertenversammlung nicht geneigt erwiesen. Jedenfalls sind nun die Grundlagen einer neuen Organisation des französischen Judentums mit ebenso großer Entschiedenheit wie praktischem Sinne festgestellt. Hoffen wir, daß es, auf dieser Basis fußend, sich, dem verheißungsvollen Beginne gemäß, segensreich und kraftvoll weiter entwickeln und den Jndifferentismus eines allzu zahlreichen Teiles, seiner Angehörigen durch reges Interesse an der Religion und der religiösen Gemeinschaft ersetzen wird. Unter solcher Bedingung wird die in Frankreich sich vollziehende Umwälzung eine glückliche und von fruchtbringender Bedeutung sein. Vergessen wir nicht, daß der

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