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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 269

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 269 (sequence 68)
Language
German
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269 „Ich bin glücklich und zufrieden, wieder daheim zu sein", begann die Kommerzienrätin, „so viel Angenehmes und Schönes dieses dolce far niente in Italien auch hatte . . , es war doch die Fremde . . . und manchmal kam es mir vor, als lebten wir in der Verbannung, getrennt und losgelöst von allen, die uns lieb und teuer sind, von allem, was den Inhalt unseres Lebens ausmacht." „Und doch war es richtig so, liebe Mama, so schwer es uns allen wurde, so sehr wir Euch vermißten. Der Vater mußte bewahrt werden vor den Eindrücken der unliebsamen Ereignisse, die sich bei Onkel Julius abspielten, im Zusammenhang mit diesem halb lächerlichen, halb traurigen Religionswechsel. Er hätte ebenso, wie er sich anfänglich geärgert hatte über dieses törichte, groteske Zurschaustellen des neugewonnenen Lebenskreises, sich später hin sehr gekränkt und betrübt durch das, was darauf folgte. Eine Tragikomödie mit entsetzlichem Ausgang ... „Georg!" „Ich weiß nicht, wie ich es Dir erzählen soll, Mama ... es ist so jämmerlich, so jammervoll! Aber erfahren mußt Du es ja doch ..." „Sprich, Kind . . . was ... ist dem Onkel etwas geschehen? Ist er gesund? . . . was ... ich bin auf alles gefaßt ..." „Er ist gesund ... wir sahen ihn erst vor 14 Tagen ... sehr niedergedrückt zwar und gebeugt . . . Erich . . . ja, wir sahen den Onkel bei Erichs Beisetzung ..." „Erich! Um Gotteswillen, was hat ihm gefehlt? . . . dieser junge, blühende Mensch ..." „Erschossen wurde er, im Duell . . ." „Im Duell?" Verständnislos sah sie ihn an und dann sich allmählig fassend, sprach sie mit weicher Stimme: „Du mußt Dich zusammennehmen, Georg, erzähle mir im Zusammenhang, was hier vorgegangen . . . alles . . . alles, was sich zugetragen in der Familie von Deines Vaters Bruder . . . während der Zeit unserer Abwesenheit . . . leise, sprich leise, damit des Vaters Schlummer nicht gestört werde, nicht seine Ruhe, ich . . .

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