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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 268

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Mischpoche
Date
1907-01-01
Page
Seite 268 (sequence 67)
Language
German
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268 Verhehlen . . . Dieser jähe Stimmungswechsel, dieses Sichaufrichten und Zusammenklappen . . . der plötzliche Farbenwechsel ... die sichtliche Erregung und nervöse Abspannung hinterher . . . das alles sind beunruhigende Anzeichen organischer Störungen . . . wir müssen achtsam sein . . . sehr achtsam . . ." „Man muß den Arzt darauf aufmerksam machen ..." sagte Max mit gepreßter Stimme. „Ja, Maxi, natürlich! Bor allem aber muß er vor jeder Gemütsbewegung, vor jeder, seelischen Erschütterung behütet werden . . . und deshalb glaube ich, er darf nichts erfahren von den Vorgängen in der Familie seines Bruders", meinte Betty. „Nein, ganz gewiß nicht! Wer sollte chm davon erzählen? Fernstehende werden nicht so taktlos sein über diese traurigen Skandale mit ihm zu sprechen ..." „Ja, aber Mama muß es wissen . . ." rief Georg. „Du sollst es ihr morgen erzählen", sagte Max, „ganz verschweigen lassen sich ja solche Dinge nicht, die in aller Munde sind und Mama wird dann am besten wissen, ob und wann und wie Papa etwas davon erfahren muß ..." Damit trennten sich die Geschwister. Am Nachmittag des nächsten Tages saßen Georg und die Mutter in ihrem Zimmer. Die Behaglichkeit des allen Kindern so besonders teuren, vertrauten Raumes wirkte wieder mit vollem Zauber auf den Sohn, aber es lag ein Ausdruck von Ernst über seinem offnen, hübschen Antlitz und Frau Sofie sah ihn mit prüfenden Blicken an und erwartete mit einer gewissen Unruhe die Mitteilungen, die er ihr machen wollte. Im Zimmer nebenan hielt der Kommerzienrat sein Nachmittagsschläfchen. Er war heute etwas frischer als ani gestrigen Abende. Stiller Friede, feiertägige Ruhe durchzogen das Haus.

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